Autor: admin

  • Leserbrief-Entgegnung

    Etwas weltfremd kommst du uns schon vor. Also … wo anfangen? Was passierte zwischen 74 und 82? Da gab es erstmal Punk, dann einen florierenden Untergrund. Die Lage blieb die gleiche. Der Kapitalismus herrscht und hat sich all die alternativen Werte zu eigen gemacht. Hippies sitzen in der Regierung und geiler Konsum (du weißt schon: Genuß ohne Reue, z. B.: McDonald’s, Haircut 100, Walkmen etc.) ist z. Z. längst von den Herrschenden verpönt worden. Der Bundespräsident trägt längst eine „Jute statt Plastik“-Tüte. Wir setzen dagegen mehr auf das Kämpfen im Kleinen, auf Erschütterungen der immer gleichen Leitideen, die dir von allen Vertretern der Herrschaft vorgeleiert werden. Dazu gehört auch, daß wir all die kleinen Teenie-Obsessionen fördern und ausleben, die wir damals wie heute haben und die wir uns nicht von rigider alternativer Moral zerstören lassen wollen, aber auch unsere ernsthafteren Erwachsenen-Obsessionen kommen nicht zu kurz. Trotzdem bleiben wir aufrechte Bolschewiken bzw. Salonmenschewiken, je nachdem, nur in modernisierter Version.

    – Red.

  • Veranda Spuk: Mein Flirt

    Was so wichtig ist: irgendwo von Neuem zu sprechen beginnen. Nicht ewig weiterpulen an den kranken, verfaulten Extremitäten einer zu Ende gegangenen Schreibweise. Von Neuem sich das Leben, die Welt aneignen, ohne nur zu reproduzieren, was man nicht einmal im Original verstanden hat: Beatnik-Aufgüsse der Dada- und Surrealismus-Revival-Versuche. Und die etablierten Prosa-Hengste verfolgen nur noch das schwach umrissene Gespenst des großen Romans. Die Literatur, ob etabliert oder alternativ, ist nicht erst seit ihrem selbstverkündeten Tod (68) eine reichgeschmückte Leiche. Prätentiös, falsch und nicht mal ein morbider Spaß.

    Irgendwo fangen Leute an zu schreiben, die sich nicht um die großen Vorbilder bemühen, die kein Handwerk erlernt haben und nicht von Oberschulen, Universitäten, Feuilleton sich haben versauen lassen. Deren Texte neu aufbauen, sich aus der persönlichen Not die Sprache selbst ordnen. Keine Primanerlyrik und Neue-deutsche-Welle-Peinlichkeit also, die immer im Kampf mit den anerzogenen Schreibhaltungen scheitert, an Deutschlehrer-Ideen wie „Inhalt“ oder „Aussage“. Neu dagegen: Akif Pirinçcis Tränen sind immer das Ende, Kirstin Ruges Neue italienische Reise oder Joachim Lottmanns Port Stanley ist gefallen.

    Der Suhrkamp-Verlag, normalerweise ein genauso behäbiges Unternehmen wie alle anderen deutschen Großverlage, muß einen mutigen, klugen neuen Lektor eingestellt haben. Eine Veröffentlichung wie diese wäre sonst nicht möglich. In einer Pralinenschachtel verpackt liegt das goldene Tagebuch eines jungen Mädchens, das beim Beschreiben ihres scheinbar durchschnittlichen Lebens in immer verstiegenere Leidenschaften und Mikro-Welten vordringt.

    Verstreute Aufzeichnungen seit ihrem 12. Lebensjahr legen von einer durchschnittlichen Vita irgendwo in Hamburg Zeugnis ab. Aber Veranda, von deren richtigen Namen wir nur das Initial M. erfahren, nähert sich mit zerstreuter Genauigkeit und scharfem Blick all dem, was ihr Leben besonders macht. Ihre wahnsinnigen kleinen Systeme, die ihren Alltag durchkreuzen, wachsen unter ihrer Einsamkeit, ihren Verstrickungen in die Sprache und ihrem Tagebuch zu monströser Größe. Veranda ist ein weiteres Beispiel dafür, daß der Wahn, dem wir alle nahe sind, beredt ist und nicht sprachlos-kreischend wie etwa in Schröters Tag der Idioten. Der Wahn ist das Schreiben selbst, wenn man sich seiner Dynamik hingibt und nicht wie die professionellen Schriftsteller um Reputation und ein Monatseinkommen kämpft. In Mein Flirt gibt es feste, gesetzte Koordinaten: der Popstar Winny P., der gleichzeitig ein Schuhkarton ist und für den das Tagebuch geschrieben wurde, die Bonbons auf dem Fußboden, das Schiffchen, das sich aus den Buchstaben W und P bildet, das „eigenartige, schwachsinnige Scheinziel“, von dem immer die Rede ist oder der „Grund“ oder die „Schokoladentage“ und „Schokoladenkater“. Im Verlauf des Buches werden die Eintragungen immer genauer, häufiger und gleichzeitig bizarrer und unberechenbar wahnsinnig. Zwanghafte, monotone Erklärungen, die an Becketts Romane erinnern, wechseln ab mit unbekümerten, naiv-genialen Alltagsschilderungen.

    Ich habe zwei Probleme. (…) Eines der Probleme ist mir peinlich, wundschabend peinlich. Beide Probleme sind erst lösbar, wenn vorher das andere gelöst ist. (…) Das eine, welches mir mit Federleichtigkeit nicht peinlich ist, rief das andere, welches mir so wundschabend peinlich ist, hervor. (…) Scheinbar ist das zweite, mir unpeinliche Problem etwas heikler, sonst hätte ich es schon längst genannt und ausführlich beschrieben, denn es ist mir ja nicht peinlich, und ich beschreibe es sehr gerne. Scheinbar muß noch etwas dran sein an diesem Problem. (…) Oh, es würde mir viel Spaß machen, Dir mein unpeinliches Problem in der einzelsten Ausführlichkeit darzustellen. Auch Dir gefiele mit enormer Sicherheit, es still zu lesen. Doch es ist mir verboten, mit Dir darüber zu reden.

    Sie schreibt super, oder?

    Es gibt übrigens noch ein drittes („mein allerschlimmstes“) und ein viertes („mein eigentliches“) Problem, deren Verknüpfungen die Autorin aufs Spannendste über Seiten ausbreitet. Ihr Hobby, noch die kleinsten Alltags-Zwangsneurosen, Gedankenknoten, Spleens zu benennen und zu systematisieren, bringt uns die Ähnlichkeit ihrer Systeme mit den großen anerkannten Systemen der Philosophen nahe.

    Veranda Spuk hat sich dem Suhrkamp-Verlag entzogen. Sie bestand darauf, ihr Buch als Typoskript mit allen Deutsch- und Tippfehlern zu drucken und machte Entwürfe für die Pralinenschachtel, in der es verpackt worden ist. Sonst hat sie alles verschlüsselt. Ihr Superstar Winny P. könnte ebensogut Leonard Cohen wie David Bowie sein. Sie scheint als Schaufensterdekorateurin oder etwas Ähnlichem zu arbeiten. Hoffentlich war ihr Selbstmord am Ende des Buches wirklich nur eine Provokation für Winny P., der das Buch, wenn es übersetzt worden ist, lesen und dann für M. in seine nächste Platte eine Botschaft einbauen soll. Vielleicht meldet sie sich ja mal. Aber das wäre gegen die Spielregeln ihres Buches.

    Glauben Schimmelpilze auf Schokolade, sie können sterben, oder glauben sie zu wissen, sie müssen sterben? Fast alle Tage, die nicht Sonnabend oder Sonntag sind, gerate ich in den allernächsten Sommer der schimmeligen Schokolade auf Gips. Und es kann sein, daß ich noch immer daran glaube, sterben zu können.

    Suhrkamp-Verlag, dick, lohnt sich!!!

  • Palais Schaumburg – Palais’s Got A Brandnew Schaumburg

    Spektakulärer Verlust des Sängers und Blickfangs. Spektakuläre Suche nach einem neuen Sänger (und Blickfang). Spektakuläre Eingliederung eines alten Freundes der Gruppe (besonders des ehemaligen Sängers) als neuen Sänger. Spektakuläre nächtliche Telefonanrufe bei weltberühmten Produzentengrößen. Palais Schaumburg machen dem von ihnen so geschätzten Werner-Büttner-Motto („Die Augen auf das Große / Den Großen aufs Auge“), zumindest dem ersten Teil, alle Ehre.

    Palais Schaumburg arbeiten, leben und wirken schon lange in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Über irgendwelche Ecken kenne ich eigentlich jedes Bandmitglied schon länger. Mit Holger Hiller hab ich 1977 mit feuchten Augen ein Ornette-Coleman-Konzert besucht. Hinterher waren wir in der längst verblichenen Disco „Cadillac“. Eine Erinnerung aus dem Spätmittelalter. Als die Raubritter noch lange Haare hatten. Mit Hiller und Fehlmann und wechselnden anderen sah ich sie zu einer Band heranreifen, die genialische Verschrobenheit mit musikalischem Expansionsdrang verband. Mit Ralf Hertwig und Timo Blunck zum Prototyp der guten, modernen deutschen Band werden.

    Holger Hiller verließ die Band nach dem ersten Höhepunkt. Holger und Thomas sind meine Generation, daher meine Ansprechpartner. Durchgeschüttelt durch die Paralleluniversen Pop und Jazz. Doch Walter Thielsch, der neue Sänger und Texter, ist trotz seiner 32 Kind der gleichen Epoche. Er schreibt aus einer Situation, die wir alle kennen. Wie wird neuer Spaß zu neuer Politik. Wieviel Bedenkenlosigkeit dürfen/müssen wir uns leisten. Dürfen wir uns überhaupt damit rumschlagen, was wir dürfen und was wir nicht dürfen. Wie können wir unseren ursprüglich linken Impuls mit unserer Abneigung gegen die vorhandenen Linken vereinbaren. Walter Thielsch kann ein Lied singen: Von Linken, die in jedem Kurzhaarigen einen Faschisten sehen, von der Dürftigkeit alternativer Kultur mit der er lang genug zu tun gehabt hat.

    Und wo soll der neue Ort sein? Dröge, existenzialistische Heimatlosigkeit („Isch ge’öre nirgendwo hin. Isch bin ein Wanderer. Isch ’abe nur meine Plastiktüte.“) gilt es zu vermeiden. Andererseits kann das Kokettieren mit Leichtigkeit auch leicht in die totale Leichtgewichtigkeit umschlagen. Wer würde nicht gerne endlich mitkämpfen, sich einreihen. Aber wo? Vergiß die alte Politik!

    „Gerade im Rock-Business hängen ja die ganzen von 68 geprägten Typen ’rum. Deswegen ist da auch so ein Unverständnis gegenüber allem Neuen. Und auch ich bin von 68 geprägt, aber ich habe eben unter diesen Leuten auch sehr lange gelitten. Gerade weil eben auch ästhetische Entscheidungen getroffen wurden, bei denen es mir hochkommt“, sagt Walter: „Besonders wenn man sieht, wie diese Leute, die damals New Wave und so weiter Verantwortungslosigkeit vorwarfen, selber funktionieren. Diese Abhak-Verantwortung.“

    Uns war es unlängst ein Bedürfnis, die Gang-Of-Four-LP zur Platte des Monats zu machen, obwohl ein „Anti-Schickie“-Song für mich normalerweise das Letzte ist. Aber der Anti-Hedonismus, der Versuch, das Engagement als Idee irgendwie zu retten, verdient eben auch Unterstützung. Irgendwann ist auch die Haircut-Karte ausgespielt, brauchen wir trotz Pop-Subversion und abgekoppelter Jugendwelt klare, harte Worte und die kommen sehr viel treffender von der Gang Of Four als von Clash. Raffinierterweise auch so gespielt, daß die Schickies dazu tanzen. Thomas: „Aber guck dir an, wie die leben, was die machen, wenn sie auf Tour sind.“ Mich hat es aber nie gestört, daß Karl Marx seine Frau geschlagen hat. Die Kritik der politischen Ökonomie wurde dadurch nicht schlechter. Thomas: „Ja, aber wir sind mehr an einer persönlichen Politik interessiert als zu sagen: ‚Wir sind die Moralisten, wir machen’s richtig‘. Ich stehe mehr auf Provokationen. Ich finde es viel interessanter, in Schale vor einer Halle mit Hippies zu spielen.“ Ich: „Aber das macht doch inzwischen jeder. Da stört sich doch keiner mehr dran.“ Thomas: „Aber es geht ja auch immer weiter. Wir machen ja nicht jedesmal dasselbe.“ Ich: „Aber ist das nicht eine negative Fixierung. Immer gerade anders auszusehen als die um mich herum? Da zwingt ihr euch den gleichen Zickzack-Kurs auf, in dem sich auch die Doofen bewegen. Nur daß ihr immer gerade auf der anderen Seite steht.“ Palais Schaumburg: „Ha, ha, ha!“

    Guck dir an, was die auf Tour machen. Gut. Nach einer Premiere in Wien erprobte PS neues Material und neue Besetzung erstmals auf einer Holland-Tour. Es war der Tag nach der Algerien-Pleite und du hattest als Deutscher im Lande des nicht-qualifizierten ehemaligen Doppel-Vize-Weltmeisters nicht viel zu lachen: „Hahaha, ihr habt verloren und wir freuen uns jetzt sehr, daß Deutschland nicht am besten ist“, werden wir von einem Verwalter des Groninger PS-Auftrittsorts begrüßt: eine Art vegetarische Mensa für die örtlichen Alternativ-Massen. Holland ist nämlich das Land, in dem die Grünen vor Jahren schon gesiegt haben. Und trotz vieler Fahrräder und allgemeiner Gemütlichkeit ist das irgendwie auch nicht das Leben, das wir uns erträumen.

    Im Bandbus verplauderte man die Ostfriesland-Rallye HH – Groningen mit Mutmaßungen und Andeutungen, wer mit wem in der letzten Hamburger Nacht Spaß gehabt hat. Thomas erzählt, wie er nächtens Nile Rodgers in New York aus dem Bett geklingelt hat, um ihn als Produzenten für die neue LP anzuwerben. Dieser zeigte sich interessiert, aber dann war plötzlich Andy „Coati Mundi“ Hernandez da, mit dem man sich in Minuten einigte, und der nun im Herbst in Zürich und New York das neue Werk gemeinsam mit Mixer Mel Jefferson produzieren wird. Mel ist bei jedem Schaumburg-Gig dabei und sorgt dafür, daß die verwöhnten Knaben immer ihren 1a-Luxus-Sound bekommen. Im Moment leidet er aber unter der ABC-Vorliebe, die bei Schaumburgs jüngeren Leuten (Timo und Ralf) grassiert „When you write lyrics in the bathroom, they get wet“, kommentiert er das ewige „It’s the look, it’s the look“-Gesumme. Ralf trommelt beim Soundcheck ein ums andere Mal das „Look Of Love“-Intro. Mel haßt Trevor Horns Drum-Sound und sorgte unlängst für die Produktion der neuen Dorau-Single (Ich: „Man kann seine Stimme gar nicht wiedererkennen.“ Mel: „That’s the idea!“) und läßt sich gerade die Gegend erklären, das ultra-weirde Ost-Friesland/Holland. Timo: „This place is called ‚Empty‘“, als wir durch Leer fahren.

    In Groningen spielt man im Rahmen einer „Männeremanzipationswoche“, was immer das heißen mag. (Der neue Trend aus England: Auch Männer können Musik machen!) Die Holländer mögen Schaumburg. Das nivellierte Publikum, das trotz einiger äußerer Andeutungen keine Unterschiede zwischen alt, jung, reich, arm, hip, unhip, bärtig, rasiert, männlich, weiblich zu fühlen scheint, öffnet sich, wie das früher mal war, ganz der Musik. (Ich konnte das nie: mich der Musik öffnen. So ein Blödsinn. Ich denke auch bei den erregendsten Konzerten gerne an Fußball. Erhalte dir immer eine gute Melange im Kopf!) „Palais Schaumburg naar een razend knap niveau“, schreiben die Zeitungen und ganz richtig: „Contrast tussen naiviteit en complexiteit.“

    Während wir uns im Hotel eher gelangweilt Chile-Österreich ansehen, trifft der Billy Preston von Schaumburg ein: Stefan Bauer, ein Jazzer, der Vibraphon und Posaune spielt und von Stuttgart gekommen ist. Stefan ist weder unbeteiligter Gast noch richtiges Vollmitglied, obwohl die anderen ihn gerne integrieren würden. Mit Vollbart und Latzhose korrigiert er auf interessante Weise das Schaumburg-Young-Hipster-Image. „Er ist uns richtig ans Herz gewachsen. In Amsterdam sagte er auf der Bühne: ‚Ich in einer Pop-Band vor kreischenden Massen! Und ich tanze! Unfaßbar!‘“ Stefan ist als Nicht-Hamburger allerdings nicht an den Schaumburg-internen Cassetten-Verteiler angeschlossen. Alle HH-Mitglieder besitzen nämlich einen Vierspurrecorder und lassen Tapes mit neuen Ideen kursieren, zu denen sich dann die anderen Mitglieder etwas ausdenken können. So entstehen die Komposition gemeinsam, aber in der stillen Abgeschiedenheit des Privaten.

    Die Groninger Mensa-Hippies und CrAss-Punks sahen zunächst nicht aus, als könnte ihnen Schaumburgs Hedonisten-Jazz gefallen, erwiesen sich dann aber doch als sachkundiges, kämpferisches Publikum (sie kämpften z. B. unermüdlich für „Ahoi! Ahoi! Nicht traurig sein“, das Schaumburg aber, wie fast alle alten Stücke, aus dem Programm gestrichen hat). Walter Thielschs ruhiges, leicht lakonisches Auftreten nimmt PS total den Kindergarten-gib-Baby-Baby-Balla-Balla-Charakter früherer, wilder Stage-Kämpfe. Seine swingende Seriosität harmoniert mit den Vibraphon-Klängen aus dem Hintergrund, fügt der Eckigkeit und Schärfe eine perlende, fingerschnippende Selbstdistanz hinzu. Timo springt derweil weiterhin ausgelassen-bübisch und mit einer zuweilen aufblitzenden Trotz-Aggression mit seinem Baß ’rum. Holländische New-Wave-Meisjes verfolgen ihn bis an die Hotelrezeption, rufen auf dem Zimmer an, reisen ihm nach. Aber er bleibt keusch.

    Ralf hat dagegen keine Zeit für Ausgelassenheit, arbeitet im Hintergrund diszipliniert am Zusammenhalt. Das geht so weit, daß er für Stefan Schaumburg-gemäße Bühnenkleidung miteinpackt. Thomas Fehlmann wechselt zwischen Keyboards und Trompete (hinter ihm parallel Stefan zwischen Posaune und Vibes), erlaubt sich kleine Sprünge und scheint am meisten hin- und hergerissen zu sein zwischen allen Schaumburg-Elementen (Jazz als Musik, Jazz als Image, Pop als Weltanschauung, Pop als Melodie, Modernität, Kunst-Avantgarde-Ethos, Trendiness, Perfektion, Charme, Widersprüche bejahen etc.). Die neuen Songs sind in dieser Besetzung fast durchweg besser als die Relikte aus Hiller-Zeiten. Thielsch ist nicht der Mann, um „Morgen wird der Wald gefegt“ zu singen. Sogar sein eigener Song „Deutschland kommt gebräunt zurück“ war Hiller auf den Leib geschrieben. Neue Sachen dagegen, wie das hinreißende „Ich A.P., pfui pfui – Lupa“ oder „3 nach 9“ mit deutlich gesetzten Refrains, melodischem Chorgesang (Timo: „Ich muß jetzt keine Kompromisse mehr machen“. Was die Melodien betrifft.) und ihren krassen Gegensätzen zwischen Vic Godard und A Certain Ratio, Jazzrock und Top Of The Pops weisen auf eine Zukunft ohne den genialen Showman Hiller, mit einer neuen Art von Entertainment.

    Walter betrachtet seine gegenwärtigen Texte als „ein Zeichen für eine Nach-Hiller-Ära, auf dem Weg zu einem neuen Palais-Schaumburg-Konzept.“ Er bemüht sich um „Textgebilde, die in sich schlüssig sind, das ist auch ein Unterschied zu Holger. Gemeinsam ist uns, daß ich Löcher lasse, Lücken. Die Idee der Geschichte war für mich schon immer problematisch. Ich gehe davon aus, daß alle Geschichten bekannt sind. Es geht mir eher darum, ein Klima zu schaffen.“ Keine Geschichten, kein Anfang und Ende, auch in der Musik? Timo: „Nein, die Musik baut stark auf Anfang und Ende auf. Musik und Text beziehen sich bei Palais Schaumburg nicht in dem Maße aufeinander wie bei Extrabreit, wo das Stück zu Ende ist, wenn der Text zu Ende ist, wenn der Polizist auf die Fresse bekommen hat“. Walter: „Das übergeordnete Ziel ist doch so etwas wie eine neue Inhaltlichkeit.“ Seine ernste Ausstrahlung und gewisse physiognomische Übereinstimmungen haben ihm im NME einen Vergleich mit Jean Marais eingetragen. Ich kann Cocteau nicht leiden. Walter Schaumburg ist eindeutig moderner: „Es gab einmal ein Zwischenraum / von Bild zu Bild hindurchzuschauen / Ein Bilderfreund, der dieses sah, / stand eines Abends plötzlich da / Und nahm den Zwischenraum heraus / …“ (aus „Sieg auf Knien“). Danach kommt leider der Satz: „und malte daraus ein neues Bild (nicht schlecht)“. Das hätte ich mir auch so denken können, soviel Erklärung braucht man nicht, da hätte ruhig eine Lücke gepaßt.

    Andere Texte, eigentlich alle mit guten Ideen gut versorgt, stehen mehr in der assoziativen PS-Linie, die Walter zu überwinden versucht. Timo: „Die reine Assoziation wird ja auch schnell langweilig. Das macht ja jetzt jeder. Insofern hat Spex mit der Kritik an Detlefs (gemeint ist mein Bruder – der Verf.) Texten gar nicht mal Unrecht! Das mußte mal gesagt werden. So Sachen wie ‚Lila wird zu braun‘, hört man zu oft.“ Auch bei Schaumburg heißt es heute noch „Europa ist Amerika“. Timo: „Ich hab das Gefühl, daß du dich zu viel um Texte kümmerst.“

    Eine Band, die sich so musikalisch um Musik kümmert, an Innovationen interessiert ist (Thomas’ oberster Grundsatz: „Überraschen“), bei ihren Texten so stark in europäischer Post-Dada-Literatur-Tradition steht und stark von einem Mann mitgeprägt wird (Thomas Fehlmann), der sein Handwerk „mit Ideen umzugehen“ in Zürich bei einem Duchamp-Schüler gelernt hat, stünde in der Gefahr, in pures 5Oer-Jahre-Lyrik-trifft-Jazz-Revival zu verfallen (à la Peter Rühmkorff liest, das Michael Naura Quartett spielt oder: Texte von Benn werden zwischen Oscar-Peterson-Piano-Quälereien verlesen), wenn sie nicht so ein offenes Auge für den Trend hätte. Während sich die anderen gegen das zu Unrecht wenig geliebte Wort „Trend“ noch ein wenig wehren, gibt Ralf Hertwig, der als Drummer traditionsgemäß wenig sagt, aber die klarste Vorstellung von der Band zu haben scheint, alles zu: „Klar, wir sind ja gut informiert, lesen Zeitschriften, beobachten genau, was läuft.“ Sie sind Neuigkeiten-süchtig, ausgesprochene Walkman-Dauerkonsumenten und hingebungsvolle Sound-Gourmets und protestieren dennoch zuerst: „Aber wir unterwerfen uns nicht dem Trend!“ Natürlich, natürlich, wer tut das schon? Ich finde gerade die Art und Weise, wie Schaumburg die hinreißend-vergängliche Modewelt mit ihren eigenen großen Ideen verbinden, interessant und einmalig und verstehe nicht, wieso sie sich manchmal auf so spießige, veraltete Werte wie „künstlerisch wertvoll“ zurückziehen. Derlei bourgeoisem Gedankengut zieht Pop die Zähne. Wir einigen uns auf die Formulierung „mit dem Trend“ arbeiten. Auf Rip, Rig & Panic hätte ich wahrscheinlich länger einreden müssen, bis sie zugegeben hätten, an Trends zu partizipieren.

    Palais Schaumburg ist die große Geste, nach vorher genau abgezirkelten, selbstauferlegten Gesetzen. Republikanische Pracht, die über das Republikanische hinausweist. Palais Schaumburg handelt von den luxuriösen Sinnenfreuden der modernen Techno-Welt. BRD-Mittelstands-Kunst- (Thomas) / Pop- (Timo, Ralf) / Literatur- (Walter)-Kinder, die die Objekte in ihrer Vergänglichkeit genießen, die Zwischenräume nutzend. Walter Thielsch brachte zwei Tage nach unserer Luxus-/Trend-/„Ihr-seid-doch-alle-Bürgerkinder“-Konversation in Schaumburgs Wohnzimmer-Loft gegenüber dem Spiegel-Hochhaus ein neues Positionspapier (siehe Kasten). Auch Schaumburg erkennt neuerdings offenbar die Notwendigkeit, sich abzugrenzen („Früher standen wir darauf, daß wir in Interviews nur über Mode, Lieblingsfarben und Lieblingsmusik geredet haben.“). Heute ist jeder harmlos und Schaumburg läßt sich was Neues einfallen. Denn sie haben einen weiteren Sprecher und einen neuen Plan: „Wir wollten ja nicht jemanden haben, der ähnlich wie Holger ist. Der wäre ja immer mit Holger verglichen worden. Strange Typen gibt es ja inzwischen genug“ (Timo). Die weiten Gebiete von Klang und Verweis der neuen deutschen Welle und der konventionellen Jämmerlichkeit entreißen.

    „Unsere Musik ist lustvoller geworden und damit ehrlicher.“ (Thomas)

    „Wieso, unsere Musik war früher genauso ehrlich wie heute.“ (Ralf)

    „I can dig it“ (Richard Nixon)

    „Handelsübliche Übertreibung. Darauf geb’ ich nichts.“ (Herr Wundermild)

    „Wir machen uns unsere kleine Palais Schaumburg-Welt.“ (Palais Schaumburg)

  • Notizen aus der Hochsaison: Diana, Documenta und all die anderen

    „Ich kokse nicht, ich habe Zentralheizung“ Rainer Werner Fassbinder, zu Journalisten nach dem „Klappe-Prozeß“

    „Und wenn wir es wirklich schaffen wollen, schneller zu sein als dieser Staat und die US-Kriegsstrategen, dann müssen wir darum kämpfen, alle Begrenzungen zu überwinden, eine solidarische Einheit in der Verschiedenheit der Kämpfe herzustellen, die darin jeden ernst nimmt.“ Margit Schiller in einem Leserbrief an die „taz“, 17. 10. 81

    „Give me a reason for living!“ Gang Of Four

    „My body is the best it’s ever been in my entire life.“ Diana Ross

    „Having fun is my reason for living“ Gang Of Four

    Andy Warhol: How did you like Lady Di’s wedding dress?
    Diana Ross: It was beautiful.
    Andy Warhol: I really think she’s done so much for virginity. I hope the pope sent her a big wedding present. She’s really bringing it all back.
    Diana Ross: She has such a clean look.
    Andy Warhol: Where did the prince go on his honeymoon?
    Diana Ross: Where did he go?
    Andy Warhol: Indiana.
    Diana Ross: I don’t get it.
    Andy Warhol: In Diana.
    Diana Ross: Terrible, bad joke.
    (Andy Warhol/Diana Ross in der Oktober-Ausgabe von „Interview“, 1981)

    Milliarden Menschen. Milliarden Schicksale, Kämpfe, Verzweiflungen, Tode, Versagen, Enttäuschungen. Auf Flugreisen und im Nachtleben lernt man die Menschen hassen. Auf Bahnreisen und in Fassbinder-Filmen lernt man sie lieben. Das Liebe. Das Bemühte, gut Gemeinte, das immer scheitert (seien es die Babys auf den frühen Bildern Jörg Immendorffs oder Brigitte Miras Leid in Fassbinders Angst essen Seele auf oder Mutter Küsters Fahrt zum Himmel). Die tief empfundenen Motown-Lieder der Diana Ross, prachtvoll inszeniert von einer weiß-gekleideten Big Band (die nur bei den kantigen Chic-Nummern „Upside Down“ und „I’m Coming“ versagte), tauchten uns lang und tief in die kindliche Welt in der es nur „Liebe“, „Mami“, „Papi“, „Gemein“, „Bös“, „Heulen“, „Lachen“ gibt. Die Fanfare „Stop! In The Name Of Love“ läßt zusammenzucken wie ein Elektroschock: totale Rührung. Brigitte Mira sagt: „Ich bin so einsam“, und die Salonkommunisten nehmen sie aus wie unsereiner es im wirklichen Leben wohl auch getan hätte. Und Diana Ross muß singen „Stop!“. Denn ihr Gesicht verrät Sue-Ellen-Ewing-Neurosen. Obwohl sie reich, hübsch und erfolgreich ist, führt sie glaubhaft die Gefahr der Liebe vor. Soul und Fassbinder nehmen die Nöte der Schwachen ernst. Und bei „Reach Out And Touch / Somebody’s Hand / And Make This World A Better Place“ läßt sie die Beleuchtung anstellen und fliegt durch die Massen, schüttelt Hände, verteilt Küßchen, läßt alte Mamis mitsingen und bittet uns die Hände unserer Nachbarn zu greifen, um diese Welt ein besserer Ort werden zu lassen. Alle machen mit. Des rechten Nachbarn Hand zu ergreifen macht keine Schwierigkeiten, aber soll ich mich auch mit dem ekligen, fünfzigjährigen Kapitalisten zur Linken befreunden und seine kranke Pfote, die aus einem komplett lächerlichen senffarbenen Anzug ragt, ergreifen?

    Natürlich sorgen die Käufer der superteuren Tickets in Wirklichkeit dafür, daß die Welt so schlecht bleibt wie sie ist. Aber ich blieb eine halbe Stunde nach dem Konzert ein besserer Mensch und tat niemandem weh. Fassbinder-Filme wirken da meist noch länger. Dennoch: Tränen sind nicht genug! Humanismus ist ein Euphemismus für Polizeistaat und Verbrüderung, die Mausefalle, in die Linke, Hippies und Alternative vor zehn Jahren stapften. Diana Ross leuchtet aber über solche Lügen hinweg. Seelenkitzel und Bewußtseinsvollspülung, Intensitäten, die sich der Namensgebung entziehen. Soul erhebt sich mitten im allerkonventionellsten Rahmen wie ein Hubschrauber oder die fliegenden Menschen in De Sicas Wunder von Mailand über alle Rahmen und Konventionen. Fassbinders intellektuellere Pop-Rührung liefert zusätzlich den klassischen, gerechten Zorn auf die Herrschenden. Wer sich erinnert, wie schwer es war, Fassbinder gegen Intellektuelle zu verteidigen, die ihm meistens mit ihrer Kleines-Fernsehspiel-„Probleme vielschichtig darstellen!“-Mentalität Undifferenziertheit und Übertreibung vorwarfen (also das Wichtigste an Pop), wird sich über all die tränenselige Trauer wundern, die ihm plötzlich zu Teil wird.

    Die Unfähigkeit der Intellektuellen zwischen falschen und echten Größen zu unterscheiden, wird dieser Tage immer unerträglicher: Joseph Beuys, Bertolt Brecht, John Lennon, Rainer Werner Fassbinder, Andy Warhol, David Bowie, Jean-Luc-Godard bleiben groß. Auch wenn solche Kritiker, die bislang allen Autoritäten (auch der Mehrheit der dummen und falschen Größen) ergeben waren, nach einem vermeintlichen Erkenntnissprung meinen, sich von allem, was ihnen etabliert erscheint, lossagen zu müssen. Andy Warhols wenig geliebter, gleichwohl genialer Documenta-Beitrag (Pisse auf Bronze, „Oxydations“) beweist seine unverbrauchte Treffsicherheit, die Fähigkeit ohne das auf der Documenta so verbreitete, hilflose Geraune, ein Kunstwerk auf den Punkt zu bringen, egal mit welchen Mitteln.

    Über dem Platz zwischen Café und Fredericianum wehte ein von Daniel Buren konstruiertes Fähnchen-System, darunter wandelten ratlos, aber durchweg angeregt, viele der Milliarden traurigen Menschen. Auf der Suche nach trügerischen Richtungen und Richtigkeiten. Es war die Parole ausgegeben worden, man solle sich versenken, betrachten, auf sich einwirken lassen. Man tat gut daran, das nicht zu tun. Sinnvoll war es zu denken und Entscheidungen zu fällen, auch auf die Gefahr hin, daß sie falsch oder mangels Informationen entstanden sein könnten. Es ist nicht schlecht, wenn im Museum geredet wird.

    Die Documenta war trotz einer Mehrzahl überladener Aufdringlichkeiten und schwachen Darstellungen von Bewußtseinsnot genau das bunte Unterhaltungsprogramm durch die vielen extremen, verschiedenen Vorstellungen, die die Welt bewegen, im Lichte der verglichen mit anderen Lebensäußerungen der Menschen immer radikaleren Kunst (zum Musikprogramm siehe Seite 8).

    Nachts entstanden seltsame Situationen, wenn die Top-Künstler der Welt und Kasseler Arbeiter beim Wochenendvergnügen für die kontrastreiche Atmosphäre in der Disco „Pul“ sorgten. Hit der Saison: „I Love A Man In Uniform“.

    Nachdem man in Kassel ein paar Tage seinen voyeuristischen Spaß an diesem Besuch in einer zerrissenen Gelehrtenrepublik hatte, an so viel Richtig und so viel Falsch, wird es in Hamburg noch mal existentiell. Bei brütender Schwüle gastieren im Versuchsfeld Birthday Party, Lydia Lunch und Die Haut. Nach souveränem Kunstgucken, Saufen und Fressen in Kassel, fordern Birthday Party von Dir, bei 50 Grad Celsius, 90 % Luftfeuchtigkeit und verbacksten Mitmenschen den hektischen und brutalsten Lärm zu nutzen. Eine Verausgabung, die von Ausgleichssport so weit entfernt ist wie die Neutronenbombe vom Zündnadelgewehr. Nick Cave, hinter der Bühne scheinbar ein verpennter Langhaariger, springt von Beginn an unter „Pow, Pow“-Schreien ins Publikum, läßt Mikroständer stürzen und macht das dürftige, aber wegen ihrer Erscheinung dennoch faszinierende Fünfzehn-Minuten-Lydia-Lunch-Gejaule, das sie, von Birthday Party lärmig unterstützt, unmittelbar davor darbot, vollkommen vergessen. Die Hälfte der Birthday-Party-Musiker sind eindeutig Jazzer, die die Unverbindlichkeit des Handwerks überwinden wollten, um mit der Angriffslust einiger Verrückter (Nick Cave, der Sänger, oder der C&W-Bassist, der im radikalisierten Säufer-Outlaw-Texas-Outfit hinter der Bühne mit zwei Sechziger-Jahre-Groupies und einer Whiskey-Flasche in den Sesseln hängt) eine neue Radikalität zu erreichen.

    In verschwitzter Kleidung ging es in dieser aufregenden Nacht anschließend ins Thedebad, einer öffentlichen Badeanstalt in Hamburg-Altona (⩯ Kreuzberg), wo unser aller „Alles Wird Gut“ seine Badeparty veranstaltete. Posiert wird jetzt nicht mehr mit, sondern ohne Kleidung. Je weniger, desto posier. Andere führten die Kunst, mit 6 Quadratmillimeter großen Lappen Stil zu zeigen, vor. Prächtige Rokoko-Menschen mischten sich als Kontrast unter all die Nackten und Halbnackten, und ansässige Alternative versuchten, die Badeparty zu verhindern, weil sie glaubten, die Schickis wollten ihr Bad und ihre Gegend usurpieren. Sie vergaßen mal wieder, daß Sozialisten nicht immer so aussehen, wie sie meinen. Das alternative Menschenbild ist ja das Rigideste und Normativste nach dem der persischen Schiiten.

    Birthday Party standen für etwas, das alle fühlen: die Menschen werden wilder, radikaler, aggressiver, vergnügungssüchtiger und unberechenbar. Das meiste Potential richtet sich jedoch nach Innen, wird Fieber und Krankheit, nicht Energie wie bei Birthday Party. Räusche und Alpträume wildern in den Hirnen ratloser, aber entschlossener Körper. Die Klugen werden besonders klug, die Schönen besonders schön und die Dummen total unerträglich und übel. Die Kontraste zwischen den schweren, schwülen Birthday-Party-Attacken und dem kühlen, rational-hedonistischen Badevergnügen, zwischen dem wilden oder stillen Positionsgewirr der Documenta und Diana Ross’ ontologischem Seelenkitsch sind bezeichnend für die letzten Wochen der Hochsaison, untermalt von dem gigantischen Spektakel der Fußball-WM – die diverse Kleingeister nutzen, um ihre irrigen, normativen Vorstellungen von „schönem Fußball“ auszumalen, mit Lobgesängen auf den brasilianischen Barock-Fußball langweilen und der deutschen Mannschaft ihr geniales Gewurschtel und die damit erzielten Erfolge übelnehmen. Als dann die Deutschen sich erstmals dem Stildiktat des „guten Fußball“ beugen, gehen sie unter. Italien wird Weltmeister, das gegen den sonst so erfolgreich eingesetzten deutschen Schweinefußball keine Chance gehabt hätte.

    Reden und Schreiben über Sex und Fußball ist dann auch das Unerträglichste, was man oft zu hören bekommt. Jeder meint, er sei Experte, was eine ideale Situation ist – aber jeder sagt dasselbe und vervielfältigt so die Lügen über Sex. Die um Originalität Bemühten dagegen schreiben jedem noch so peinlichen Männerkörper Attribute wie „Rosenblütenhaut“ zu und ermöglichen Sätze wie „In ihr kocht Lava“. Zum Teufel mit dem Gefasel von Sinnlichkeit! Mit Diana Ross, Birthday Party und Andreas Dorau wünsche ich allen Lieben einen schönen Spätsommer!