Zum ersten Mal schrieb ich über NNCK in einer Doppelrezension gemeinsam mit neueingespielten Aufnahmen der indeterminate compositions von Cornelius Cardew aus den 60er Jahren. Das zweite Mal ging es über Folk, das dritte Mal um die Konsequenzen freier Improvisation für ein freies Leben. Noch etwas vorweg: ein alter Wunsch von mir, frei improvisierte oder frei improvisiert wirkende Musik, die drei Eigenschaften nicht hat: Expressivität, Virtuosität und Gewalt. NNCK brechen ständig ab und auf. Beides geschieht ohne Gewalt, aber es ist nicht nichts. Es bleibt hörbar irreversibel. Es geht natürlich nicht um geplante Brüche oder große dramaturgische Effekte. Sie halten es nur hörbar nicht aus, wenn’s zu identitär wird, wenn Genre ausbricht. Weil sie statische Situationen ebenso perhorreszieren wie zu viel Beherrschung und Virtuosität beim Umgang mit Bewegtem. Im Zweifelsfall bietet Getrommel Asyl vor zu viel musikalischer Schlaumeierei.
Vor einigen Jahren gab es in Paris eine Ausstellung, die sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Formlosen und dem Verworfenen, ja dem Ekligen in der Kunst beschäftigte. Objekte, die auf dem Boden ausgestreckt waren, verfehlte Gestalt, Dinge, die Ausscheidungen ähnelten, deren Grenzen verwischten. Dieses Feld zwischen Formverlust, Gestaltdefizit und Abfall, Ausscheidung und Abspaltung spannte in der bildenden Kunst die Diskussion um Abject Art in den Neunzigern auf – nicht in der Musik. Musik kennt das Informe nur als Gewalt. Und seit Punk werden in regelmäßigen Abständen die Stimmen laut, die die gesunde, knackige Songform gegen alle Arten des Formverlustes, insbesondere die des langen Jam verteidigen und dabei ein nahezu phobisches Abwehrverhalten gegen freie und unabgeschlossene Formen an den Tag legen. Die Musik der NNCK tritt in zwei Fallen freier Formen nie:
1) Nie lässt sich das unübersichtliche Geschehen auf ein eitles oder beschwertes Subjekt tautologisch zurückführen, das sich ausdrücken möchte.
2) Nie wird der Hörerschaft die Meditation oder der Weg nach innen nahegelegt. Die Musik bleibt in der Welt. Hier bleibt nichts zu tun – und das habe ich schon mal über sie geschrieben – als den Prozess zu verfolgen.