Alright? Kids!

Mit seinem Artikel „The Kids Are Not Alright“ (Spex 11/92), in dem er die Besetzung pop-kultureller Ausdrucksformen durch die Rechte beschrieb, hat Diedrich Diederichsen eine Kontroverse über die Bedeutung von Jugendkultur ausgelöst. In einem Aufsatz für das im Juni erscheinende Buch Soundtracks für den Volksempfänger (Edition ID-Archiv), den konkret hier leicht gekürzt vorab veröffentlicht, problematisiert Diederichsen das Verhältnis der Linken zur Jugendkultur

„You don’t have to be black or female to hate fascism, but it helps.“
Julie Burchill / Tony Parsons, 1978

„You don’t have to be young to hate, but …“
Ewige Wahrheit

Die Idee, daß Jugend („Youth“) eine eigenständige Kategorie politischer Subjektivität darstelle, etwa neben der gleichzeitig entdeckten Kategorie „Race“ oder der später hinzugekommenen „Gender“, wie sie in der vor allem amerikanischen Rede von der „triple oppression“ „Race/Class/Gender“ vorkommt, war von Anfang an in der Linken umstritten. Die sogenannten „Halbstarken“ der 50er Jahre waren z. B. für sozialdemokratische und kommunistische Jugendorganisationen Feindbilder, beschrieben und verdammt mit einem Vokabular, das auch vor rassistischen Formulierungen nicht zurückschreckte. Wer nie DDR-Wochenschauen über die zu „Negermusik“ jitterbuggende Westjugend (Sonntag mittags im ZDF) sah, wird den Ton solcher Hetze erklärten Antirassisten und -faschisten kaum zutrauen. Der Stolz auf die ernst einem Beethoven-Konzert lauschenden aufrechten jungen Deutschen (Ost) in derselben Wochenschau ist zeitlos deutsch-reaktionär, von Adenauer- so wenig zu unterscheiden wie von Nazi-Propaganda.

Die Linke der 50er Jahre war sich mit den rechten und linken Anführern der Vorkriegsjugendorganisationen in Kaiserreich, Weimarer Republik und nach 1933 darin einig, daß nur eine disziplinierte und geführte Jugendbewegung, die sich der größeren guten Sache verschreibt, von Nutzen und Relevanz sein könne, und tat alle Jugendkulturen, die sich individuellen, hedonistischen oder gar kriminellen Aktivitäten verschrieben, genauso als reaktionär und kontraproduktiv ab wie die US-Linke – mit Ausnahme der Trotzkisten – jeden Ansatz eines „Black Nationalism“. In den 70er Jahren ließ manch ein Ex-SDSler seine langen Haare für die K-Gruppe schneiden. SDAJler hörten verdächtige Hippie-Musik eher heimlich, öffentlich wurde dagegen auf Floh de Cologne und die aufklärerische Wirkung ihrer Rockopern zur Lehrlingsproblematik gesetzt, und in Leserbriefen an den Roten Morgen freuten sich Altkommunisten, daß in ihrer Organisation anständige junge Leute mit kurzen Haaren Flugblätter verteilten, keine Gammler und Hippies. Sieht man von Ton Steine Scherben und umherschweifenden Haschrebellen ab, sind Linke, die auch die Pop-, Jugend- und Gegenkulturen für verteidigenswert halten, ein Phänomen erst der 80er und 90er Jahre gewesen. Daß man bei der RAF gerne Doors hörte, erfuhr man erst spät, und das von Boock. Amerikanische Organisationen wie die Weathermen oder die Black Panther Party betrieben dagegen eine ganz andere Politik und öffneten sich vor allem im Laufe der 70er diversen Formen der Gegenkultur (auch solchen, denen sie sich vielleicht besser nicht geöffnet hätten: Die FBI-Infiltration klappte jedenfalls besser als alles, was sich das BKA so ausdachte).

Die, denen sie nicht gefällt

Das Verhältnis Jugendkultur – Linke läßt sich für den Zeitraum zwischen den mittleren 50ern und heute durchaus mit dem schwarzer Widerstandsbewegungen in den USA zur Linken vergleichen. In beiden Fällen war das Verhältnis nie besser als in der zweiten Hälfte der 60er und konnte sich auf dem Level eine Weile halten, um seit den späten 70ern langsam zu degenerieren – bis zum heutigen Tiefpunkt, wo der schwarze Widerstand, außerhalb des Universitätsmilieus jedenfalls, von „rechten“ Nationalisten1 dominiert wird und sich in der Jugendkultur die Rechte als das „neue Ding“ durchzusetzen beginnt. Aus der gesamten Epoche, von der hier die Rede ist, lassen sich aber Merkmale von Jugendkultur isolieren (wie, um die Analogie ein letztes Mal zu strapazieren, auch im schwarzen Widerstand), die sich einer eindeutigen Einsortierung in Rechts-Links-Binaritäten entziehen und potentiell beiden Seiten gefallen können (und gefallen haben) oder auch nicht. Dazu gehören bestimmte Werte und „magische“ Letztbegründungen wie Echtheit, Authentizität; Strategien wie Tabubruch, Regelverletzung; Formen (Körperkulte, Massenereignisse); Haltungen (Anti-Parlamentarismus, Anti-Intellektualismus), Rausch, Spontaneität, Ekstase.

Klar, daß die Liste länger sein könnte und daß es in der Jugendkultur bestimmte Blockbildungen gab, in denen bestimmte Aspekte andere dominierten. Wir könnten auch herausfinden, welche Konstellationen vorherrschen, wenn die Beziehungen zwischen jugendkulturellen und politischen Bewegungen enger sind, und welche im umgekehrten Falle vorliegen. Selbstverständlich haben Boom-Epochen, technologische Umwälzungen und karrieristische Ideologien nicht nur den kulturellen Mainstream, sondern auch die Linke stärker an Jugendliche gebunden und Jugendliche ansprechen lassen als Rezessionsepochen. Jugendliche als Hoffnungsträger sind aus keiner utopischen, zukunftsorientierten Ideologie wegzudenken. Bei vielen der heutigen Debatten über die Zweideutigkeit des Begriffs Jugendkultur und der ihm anhängenden Vorstellungen muß ich an die Schlußszene von Kuhle Wampe denken: Die beiden strahlenden, ohnehin sehr deutschen, sehr markigen kommunistischen Helden fahren in der U-Bahn vom Ausflug zurück in die Stadt. Dort werden reaktionäre oder pessimistische Reden laut. Schließlich erhebt das Mädchen die Stimme und erklärt allen Reisenden, warum sie (die anderen) die Welt nicht ändern werden. Schließlich fragt ein Herr, dem sie erklärte, er werde die Welt nicht ändern, weil sie ihm ja so gefalle, wie sie ist, wer denn bitte die Welt ändern werde. Mit einem schneidenden „Die, denen sie nicht gefällt“ endet der Film von 1932. Ein Jahr später haben die, denen sie nicht gefiel, tatsächlich die Welt verändert. Es waren nicht die, an die Brecht und Dudow gedacht hatten.

Gerade an diesem Beispiel wird aber auch deutlich, wie die Vertreter jedes „Essentialism“, sei es Class, Race oder Gender, sich jeweils aus den jugendkulturellen Erscheinungsformen ihrer Lieblingstugend oder ihres Lieblingswiderspruchs ideologisch haben alimentieren lassen. Keine Arbeiterbewegungs-Subjektbildung war vorstellbar ohne den jungen Arbeiter, kein Feminismus ohne die jungen Frauen – die Struktur jedes auch noch so pragmatisch untermauerten Utopismus favorisiert automatisch die Jugend, ohne je reflektiert zu haben, was für einer metaphysisch-vermuckten Kategorie sie dabei aufsitzt. Schließlich entstand in Kreisen, denen ich mich verwandt fühle, ein Begriff von Jugendkultur, der mit Macht- und Totalisierungskritik in der Grauzone zwischen Foucault und Frankfurter Schule argumentierte und Jugend als den Faktor von politischer Subjektbildung beschrieb, der am ehesten Konditionierungen, semiotischen Vergiftungen und Kommunikationsterror entkommen könne und über geheime (Alternativkultur) wie offene (Style, Dresscode, Popmusik) Infonetzwerke verfüge, die schnelle und schwer observierbare Kommunikation ermögliche. Die B-Seite dieser Medaille ist freilich die Idee von Reinheit, (ungiftiger) Sauberkeit, Primärität, die den Jugendlichen unterstellt wird und sich von den Mystizismen rechter Jugendkulte nur durch die Anbindung des Jugendbegriffs an urbane und suburbane Kulturen von Minderheiten und Deklassierten unterscheidet. Aber wir hatten einen Zusammenhang beobachtet und/oder konstruiert, der die Nachfolge des klassischen politischen Subjekts antreten sollte: eine Art soziale Atmosphäre, von der aus radikale Einwände formulierbar sein sollten.

Pasta und Saft

Die Kategorie Jugend verknüpft auf problematische Weise Biologie und Soziologie. Soziologisch ist der Jugendliche „draußen und frei“, „footlose and fancy free“, weil er nicht „richtig“ arbeitet, niemanden ernähren muß; biologisch, weil die Lebenssäfte frischer sind und die allgemeine Auszehrung und Versaftung, die ja eine gesellschaftliche und eine biologische Seite hat, ihn noch nicht um sein primäres Menschentum gebracht hat. Auch hier eine beängstigende Nähe zur Kategorie der „Rasse“, dem anderen großen Kompositum aus biologistischen und sozialen Zuschreibungen (mit dem Unterschied, daß „Jugend“ ein medizinisch objektivierbares Faktum darstellt, „Rasse“ hingegen nicht). Aufgeklärte und Linke machen an dieser Stelle den Fehler, mit der Problematik der beiden Kategorien auch die darauf aufbauenden sozialen Realitäten aus dem Bade zu schütten. Henry Louis Gates Jr. sagte neulich ganz richtig im Radio: „Klar ist ‚Rasse‘ eine soziale Konstruktion, aber auch Pasta ist eine soziale Konstruktion, und trotzdem schmeckt sie.“

Weil etwas konstruiert ist, ist es nicht weniger real, man zeige mir das Reale, das nicht „sozial konstruiert“ ist. Hier trifft man auf das Problem, daß auch die Linke mit der Vorstellung einer Primärität arbeitet, die nicht haltbar ist, der der Arbeit und der Arbeitsbedingungen. Nicht nur, daß sie prinzipiell problematisch ist, sondern sie ist es vor allem heute, wo Arbeit nicht mehr Zwang, sondern Luxus bedeutet, wo die (privilegierten) Jobinhaber wiederum Sozialstrukturen und Wertordnungen der sogenannten kreativen Berufe zunehmend übernehmen (müssen) und wo sich eine Gesellschaft abzeichnet, die zunehmend als Ganzes der alten Boheme ähnelt: Kreative und Obdachlose sind die politischen Subjekte, die am ehesten eine Zukunft haben, in dem Sinne, daß es von ihnen absehbar immer mehr geben wird. Die alte situationistische Mai-68-Forderung „Nie wieder arbeiten!“ ist bekanntlich wie so viele „subversive“ Forderungen falsch erfüllt worden. Und die Vermehrung bohemistischer, obdachloser und kreativer Existenzen, also der alten ideellen Bündnispartner der Jugendkultur, dynamisiert die allgemeine Verjugendlichung von Kultur und Lebensstil. Die Jugendkultur im ursprünglichen Sinne wird immer schwerer wahrnehmbar und unterscheidbar.

Anamnese der Genese: Punk

Auf den verschiedenen Tagungen und Kongressen, wo unsresgleichen sich in den letzten Monaten den Kopf zerbrochen und den Mund über die Frage fusselig geredet hat, warum Jugendkultur und Rechtsradikalismus, schwarzer Widerstand und Sexismus/Antisemitismus, Feminismus und reaktionärer Essentialismus plötzlich (oder, wie die Schlaumeier2, die immer schon alles vorher gewußt, nur nie gesagt haben, meinen: nicht so plötzlich) „zusammenpassen“, habe ich mehrfach gefordert, man müsse anhand exemplarischer Fälle des letzten Jahrzehnts untersuchen, wie es zu Verschiebungen in der Bedeutung von „Jugend“ und „Rebellion“ innerhalb der Pop-Kultur hat kommen können. Analog dem Prozeß, den Guattari für die Zeit ab 68 euphemistisch, aber nicht grundlos „molekulare Revolution“ nennt, müsse man die „molekulare Reaktion“ der 80er untersuchen. Ohne in eine Art negative Nostalgie zu verfallen, die sich ihrer Jugend so schämt, wie sie der gewöhnliche 68er trotz aller biographischen Verratsmomente verklärt.

Das neue Element war Punk-Rock und machte drei Aussagen, deren Neuheit man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Man weiß ja nie, was man wann nicht gewußt hat, man weiß immer nur, was man wann wußte. Was neu an Punk-Rock war, muß man rekonstruieren. Es war die erste Pop-Musik, die sich teilweise weit von afroamerikanischen Musikformen löste (Blues-Formen, Blue-Notes wurden eliminiert, Synkopierungen verschwanden fast ganz aus den Rhythmen – versuch mal, ein Punk-Break zu loopen und du kommst in des Teufels unfunky Küche). Punk war die erste antisexistische Popmusik (der männliche Körper war zerstört, zerrissen – der weibliche hatte seinen ersten „selbstbestimmten“, nicht objekthaften Auftritt). Punk war die erste Popmusik, die sich organisatorisch (Independent Label, nicht aus Not, sondern Überzeugung) und inhaltlich („E.M.I.“ und unzählige andere) massiv gegen die Kulturindustrie wandte.

Es dauerte nicht einmal ein Jahr, bis Punk auch den traurigen Ruhm ernten konnte, die erste Popmusik zu sein, die für Rechtsradikale ko-optierbar war. Das hat ästhetische und politische Gründe. Der ästhetische Grund ist tatsächlich der Verzicht auf afro-amerikanische Elemente in der Musik. Man konnte zu Bands der zweiten Generation wie Sham 69 grölen wie ein gewalttätiger Mob, man konnte den unfunky Körper intakt lassen und ganz Gesinnung werden, man konnte martialisch sein, denn keine Synkope untergrub den tumben, ewigen Vierviertel-Takt des Ressentiments. Das bloße Gefühl der Kollektivität in Massensituationen, die auf Bestätigung und Konformität aufbauen, ist tatsächlich das Gegenteil der aktiven, auf Austausch aufbauenden Kollektivität jeder afro-amerikanischen Musik.

Der zweite Grund war das Entstehen einer entwurzelten britischen Arbeiterklasse-Jugend ohne Aussicht auf die neuen Jobs in der Kulturindustrie (die sich die ergattern sollten, die zuerst No Future riefen). Dies war die erste Nachkriegsjugend, die der Definition aller vorangegangenen Jugenden nicht mehr entsprach: Markt der Zukunft. Es war die erste einer Reihe von Generationen, die nicht mehr haben würde als ihre Eltern, nicht besser ausgebildet sein und nicht in größeren Wohnungen leben würde. Es war nicht die Flucht ins Ressentiment, die man bei plötzlichen Krisen beobachten kann, sondern bereits die Übersetzung der Versprechung dauerhaft bitterer Zustände in Pop-Songs von großer Anziehungskraft: Sie behielten noch die Form der Hymne, also die der Versprechung, zogen sich aber auf ein Lebensgefühl zurück, das keine Aussicht mehr auf Realisierung von Träumen kannte. Sham 69s „When The Kids Are United“ war der erste Song, zu dem ich auch in Hamburg, ein Jahr später, 1979, Skinheads grölen sah, Arbeitereinheitsfront unter Führung der SA. Da wollten welche die Welt ändern, denen sie nicht gefiel. Einer von ihnen sitzt noch heute wegen Totschlags eines Türken. Er war der Unbedarfteste, die anderen sind in Nazi-Parteien oder die Hamburger Halbwelt fest integriert worden. 

Gleichzeitig spielten Mittagspause, Lieblinge der Kunststudenten, diesen Song in der Sicherheit, daß „Working Class“ immer gut sei. Und unsere Band, Flying Klassenfeind, trat mit einer Version der Sham-Hymne auf, die sich halb auf den Originaltext, halb auf Mittagspauses Eindeutschung bezog. Der Typ, der mich damals von der Bühne holen wollte, weil „nur Sham das spielen dürfen“, war damals im Umfeld der neuen Skinpunks zu sehen, heute ist er ein Linker aus dem Hamburger Hafen-Umfeld. In England reagierte man mit der Bewegung „Rock Against Racism“ auf die seit 78 ansteigende Begeisterung von National Front Skins für Punk-Rock. Man bekämpfte damit nicht den Rassismus, wie der Slogan behauptet, sondern schlug eine Schlacht für eine neue Ästhetik, die man nicht den Feinden überlassen wollte. Das war vernünftig: Wer immer dem Wortsinn der Parole glaubte (Rock könne etwas gegen Rassismus tun), kam schon damals in des Teufels Küche, wo die Milch der frommen Denkungsart überkochte. Das gleiche gilt heute: Rock (und andere Musikformen) können nichts gegen Rassismus tun, sie können aber dafür sorgen, daß sie überall da, wo sie ästhetisch zweideutig sind (und sein müssen), nicht rassistisch decodierbar werden.

Ästhetisch reagierte man denn auch damals durch eine neue Begeisterung für Reggae und ab 1980 wieder für Funk und andere Formen schwarzer Musik. Das Punk-Bündnis mit Reggae ist vielleicht die dauerhafteste musikalische Errungenschaft der ganzen „Bewegung“. Bis heute ist keine britische Pop-Innovation ohne die Ästhetik der Bass-Culture Brixtons denkbar, kein Techno-, House- oder Hip-Hop-Act, der sich nicht auf die Dub-DJs beruft, die auch auf so manchem Punk-Konzert ihre damals so fremdartige Musik erstmals vor einem weißen Publikum aufführten.

Swastikas on Parade

Die Rechte hatte es nicht geschafft, die Punk-Ästhetik umzucodieren, aber sie hatte seitdem ihren Fuß in der Tür. Zwar hatte es schon vorher rechte Jugendkulturen gegeben, aber sie hatten sich nie offen an Formen der städtischen, musikalisch orientierten Gegenkulturen gehängt. Zweifellos bereiteten sie aber das stilistische Reservoir vor, aus dem Rechtsradikalismus und Neokonservatismus schöpfen konnten, um Punk (und seine Nachfolgeformen) umzudeuten. Es gab konservative Momente schon bei den Mods, rassistische bei vielen britischen Jugendkulturen der 70er (von Paul Willis anschaulich in Spaß am Widerstand dargestellt), und in Deutschland fehlten sie höchstens aus Mangel an Gelegenheit. Gleichzeitig hatten in den 70ern viele namhafte Rocker mit faschistischer Symbolik und faschistischem Gedankengut gespielt: Jimmy Page in seiner Satanismus-Phase, Bowie nach einigen Koks-Jahren in L.A., als er mit Hitler-Gruß an der Victoria-Station eintrudelte, Clapton mit einem besoffenen Bekenntnis zur National Front – von allen liegen Widerrufe und bedauernde Entschuldigungen vor. Im Punk nahm das von Kunststudenten-Provokateuren benutzte Hakenkreuz etwa die Funktion eines Bekenntnisses zu Amoral und Nihilismus ein. Es richtete sich gegen Integration und war kein faschistisches, sondern ein Statement gegen Vereinnahmung, Interpretation, Moral, das niemand in der Bewegung der Jahre 76/77 falsch verstanden hätte; nach den ersten NF-Punk-Annäherungen verwendete es niemand mehr. Es ging darum, das Spiel neu beginnen zu können. Eine Generation wollte sich den Weg zum Neuanfang freikämpfen und griff zu jeder bereitliegenden Drastik. Aber sie hatte noch eine Hoffnung auf und einen Begriff von einer eigenen Sprache. Die mochte bedroht und umkämpft sein, aber es lohnte sich, den Kampf zu führen. Für viele bestand diese eigene neue Sprache auch gerade in ihrer Unreinheit, Beschmutztheit. Heute gibt es für (rechte) Rocker eine solche Hoffnung nicht.

Von der Vernunftkritik zu Faschismus oder Hedonismus

In England und an der amerikanischen Westküste, wo Punk nicht ausschließlich von Kunststudenten getragen wurde, war der Aspekt der Rebellion jedoch immer deutlicher „links“ codiert, also über Linksradikalismus, Anarchismus, die entstehenden Autonomen in Europa, die Reste des Situationismus und andere dissidente linke Projekte, die übrig geblieben waren oder wiederbelebt wurden und weder der herrschenden Sozialdemokratie noch der Rechten zugeordnet werden konnten. Auf den Campussen dieser Welt begann die sogenannte Vernunftkritik ihren Siegeszug. Und auch sie war als Kritik der Macht zunächst als Fortsetzung und Verbesserung, ja Steigerung und nicht, wie später durchgesetzt, als Preisgabe emanzipatorischer Projekte verstanden worden. Punk fand statt im Spannungsfeld eines verzweifelten Jugend-Individualismus und eines verzweifelten Rettungsversuchs linksradikaler Jugend-Projekte. Es war nicht zu vermeiden, daß die Beteiligten dabei erwachsen wurden im oben beschriebenen Sinne. Dennoch blieb als Lektion der Punk-Epoche erhalten, daß eine Fortführung des „emanzipatorischen“ Projekts nur möglich war im Zusammenhang mit Hedonismus, radikalen Lebensstilen etc.; das galt von Leeds bis Berlin, von der späten RAF bis zu den Prankstern3 Kaliforniens. Und im Moment der Bedrohtheit linksradikaler Politik wird, wie sich an der Gründung der sogenannten Wohlfahrtsausschüsse zeigt, plötzlich dieser Lebensstil, nicht unbedingt die Politik, die er hervorbringt oder die ihn hervorgebracht hat, als die entscheidende und zu verteidigende Differenz den anderen gegenüber angesehen.

Eine Band, die durch die Punk-Bewegung hochkam, ohne direkt dazuzugehören, war von Anfang an erwachsen: Die Stranglers wußten eher als die jungen Pere Ubu, Richard Hells, Sex Pistols und Sham 69s, was sie wollten und was sie taten. Als es losging, waren sie alle schon um und über dreißig und hatten Berufe wie u. a. den des Lehrers ausgeübt. Die Stranglers haben mehr als alle anderen Bands der Zeit an der Bandidee festgehalten. Keine ihrer Kompositionen ist namentlich gezeichnet. So wie vorher nur die Doors, mit denen sie so oft verglichen worden sind, zeichneten sie stets mit dem Bandnamen, The Stranglers. Es gibt also keine harten Beweise, wer in dieser Band für was verantwortlich war. Zu ihren populärsten Statements gehört der Song „No More Heroes“, der sowohl als Ausdruck des Bedauerns über das Verschwinden von „Leon Trotsky and Sancho Pansa“ gelesen werden kann als auch als Aufforderung, sich vom Konzept des Helden überhaupt zu verabschieden. Auch hier wieder doppeldeutig: als Abschied vom Helden als Figur der Autorität, aber auch als Verkörperung des Richtigen und Vorbildlichen.

Die Stranglers waren eine der wenigen Bands, die sich von Anfang an Sexismus-Vorwürfen ausgesetzt sahen; einerseits wegen Songs wie „Peaches“ („Walking at the beaches / looking at the peaches“), andrerseits wegen Live-Auftritten mit Stripperinnen, S/M-Szenen usw. Es stellte sich in manchen Interviews heraus, daß es unter den Bandmitgliedern tatsächlich diese zwei Figuren gab: den Trotzkisten und Aufklärer Hugh Cornwell und den Ästhetizisten und Provokateur Jean Jacques Burnel, beide jeweils zum Terrain des anderen hingezogen und sich in spektakulären Aktionen treffend. Die seltsame Faszination der Stranglers, die sich oft mit einem unartikulierbaren Ekel verband, hatte sicher damit zu tun, daß das sozusagen unaussprechliche Geheimnis von Jugendkultur und Pop-Subjektivität, die Verbindung von politischer, gesellschaftlicher und ahistorischer, „biologischer“ Rebellion bei ihnen so ausgeprägt in zwei Figuren wiederzufinden war. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war sicherlich ihre LP Black & White, die schon im Titel eine gewisse Bewußtheit über die ambivalente Spannung der Stranglers-Konstruktion verrät. Die politische Phantasie des Songs „Curfew“ kann man als Hymne der neuen Rechten lesen oder als Witz über das Cold-War-Scenario: „Germany failed to protect her borders / She had grown soft with the American dream / Men from the steppes delivered her vacuum …“. Zum selben Zeitpunkt sind „linke“ Friedensbewegung und rechte Vernunftkritiker gleichzeitig damit beschäftigt, den amerikanischen Traum aus Deutschland auszutreiben; Bergfleth wird zum ersten ehemaligen Sponti-Denker, der den Antisemiten und Nazi raushängen läßt (Zur Kritik der palavernden Aufklärung), Beuys und die Bots kalauern auf unterstem Niveau, daß sie „Sonne statt Reagan“ wollen, Natur statt Kapitalismus, Deutschland statt Amerika. 

Das Schöne an den Stranglers ist, daß sie Pop-Zweideutigkeiten der frühen 80er eins zu eins in ihre Hochkultur-Entsprechungen freiwillig/unfreiwillig übersetzten. So kann man die Entwicklung im Zusammenhang sehen, die von der Vernunftkritik zum „Matthes & Seitz“-Neofaschismus, von Foucault zu u. a. Syberberg, von der Erweiterung der Emanzipationsidee zu deren Fallenlassen, von Punkrock zu u. a. „Nazirock“ führte. Und zu der Erkenntnis kommen, daß Erweiterungen und Korrekturen von 70er Jahre-Projekten immer dort gescheitert und umgekippt sind, wo sie nicht in einen Szene-Kontext eingebunden waren, der Eigendynamisierungen verhinderte und Verselbständigungen unter Karriere- und Modebedingungen nicht zuließ.

Hip-Hop

Die Karriere aber und die Modebedingungen des Yuppie-Jahrzehnts sind nicht vergleichbar mit den Bedingungen des laufenden Dezenniums hierzulande. War gegen alles andere immer noch ein internationales Kraut gewachsen, ist man jetzt mit dem neuen Deutschland und seinen neuen hegemonialen Verhältnissen allein. Hüsker Dü half gegen Eurythmics und Kohl – symbolisch – so wie Black Flag vielleicht gegen Reagan, Tempo und Dr. Wawerzonnek oder Punk und Devo gegen Bettina Wegner, Friedensbewegung und SPD. Seit Hip-Hop ist Jugendkultur nicht mehr in erster Linie Jugendkultur, sondern schon Arbeitslosen- und Hoffnungslosenkultur, keine symbolische Gegenmacht gegen Staat und Kapital, Schule und FAZ, sondern ein zutiefst verstrickter, eingebundener, aber auch irreduzibler Bestandteil dieser Gesellschaft, der sich über die Chancen einer Gegnerschaft wenig idealistische Illusionen macht, obwohl die von ihm artikulierte Aggression mehr (nicht nur symbolische) Resonanz hat als alle Vorgängermodelle. Hip-Hop unterliegt nicht der Gefahr, im nachhinein von falschen Verhältnissen vereinnahmt zu werden: Sie waren nie abwesend, nie nicht vorgekommen, nie nicht prägend. Hip-Hop fängt genauso beim Falschen an, wie Hippies (und in gewissem Sinne auch Punk) von einem fernen Richtigen ausgehend idealistisch schwärmend abstürzten. Darin ist Hip-Hop der erste ernstzunehmende Nachfolger des alten Rock’n’Roll.

Doch die Welt, die Hip-Hop verkörpert, steht nicht für einen neuen Markt und kapitalistischen Aufbruch, sondern für genau das, was einen defensiv gewordenen Kapitalismus bedroht. All das, was einen Reißmüller des Lebens nicht mehr froh werden läßt, was nicht nur in den USA und den berühmten „Ghettos“, sondern überall für die neuen Verhältnisse steht: „öffentliche Verkehrsmittel, in denen Jugendliche, inländische wie ausländische, allein und in Gruppen, ein unangefochtenes Regiment führen … keine allgemein zugängliche Wand …, die nicht mit abstoßenden Krakeleien oder hirnrissigsten Parolen beschmiert wäre … in den Zentren der Großstädte Rauschgiftsüchtige, Trinker, Verwahrloste ganze Viertel besetzt halten“ (FAZ, 30.3.93) und was dergleichen mehr D-FENS Reißmüller rot sehen läßt.

Die unter diesen Voraussetzungen anfallende politische Unkorrektheit von Hip-Hop ist anders zu bewerten als die des Nazi-Rock. Man erlaube mir, für die Unterscheidung zwischen beiden auch auf die alten Begriffe regressiv und progressiv zurückzugreifen, im Sinne einer Sicherung des Bestandes gegenüber Aufbruch und Entwicklung, die man noch bei den fanatischsten Muslim-Rappern als Vorstellung ausmachen kann. Im Nazi-Rock kommt eine Entwicklung deutschnational zu sich, die sich auf international jugendkultureller Ebene seit zehn bis zwanzig Jahren abzeichnet: die Re-Biologisierung des Jugendprotestes, seine Entpolitisierung, nunmehr nicht auf ästhetizistischer, sondern auf Bockbier-Ebene, seine neue ressentimentgeladene, regressive Eindeutigkeit, die sich von den Nazibands in Deutschland bis zum Unplugged-Kitsch als Sehnsucht erstreckt, nach Hause zu gehen ins Territorium, ins angestammte Gebiet. Eine Sehnsucht nach der Eindeutigkeit von Männerkörpern und kratzig-authentisch leidenden Frauen bevölkert die internationale Pop/Rock-Musik, eine Sehnsucht nach Boogie-Regression, die den Shopping-Mall-Sound der 80er wieder von den ganz hohen Plätzen in den Charts verdrängt hat. Hip-Hop steht dem als immer schon gebrochene Musik entgegen, deren Problem in den USA auch unter linken und aktivistischen Fans heute weniger im Einfluß der in der Tat massiv sich um Hip-Hop kümmernden Black Muslims gesehen wird, als in dem Versuch der Plattenindustrie, jeden innovativen Ansatz als Cappuccino-Jazz-Hippie-Hop zu entschärfen. Was natürlich erst recht den Gangstas und Muslims den Authentizitäts-Credit sichert.

Fehlfarben

wo ist die grenze wie weit kann ich gehen verschweige die wahrheit ich will sie nicht sehen. schneid dir die haare bevor du verpennst. wechsel die freunde wie andere das hemd. richtig ist nur was man erzählt. benutze einzig was dir gefällt. bau dir ein bild wie es dir paßt sonst ist an der spitze für dich kein platz. wenn die wirklichkeit dich überholt, hast du keine freunde nicht mal alkohol. du stehst in der fremde deine welt stürzt ein. dies ist das ende du bleibst allein.

So die Fehlfarben 1981 in „Gottseidank nicht in England“, einem Song, der auf der LP Monarchie und Alltag erschien, die auch die Hausbesetzer-Hymne „Es geht voran“ enthielt. Auch deren doppeldeutiges „Geschichte wird gemacht“ verwandelt sich im Kontext zu fast penetranter Eindeutigkeit. Doch der zitierte Song ist das Musterbeispiel für einen exzellenten Pop-Text: Die Verschärfung der Vereinzelung, des Konkurrenzkampfes etc. wird nicht angeklagt, sondern als existentielles Drama fast romantisiert und mit gewissen Ideen gegenkultureller Praxis in Verbindung gebracht: „sprich fremde sprachen im eigenen land.“ Die Agentenromantik der New-Wave-Idee des Einsickerns einer coolen Alien Culture und langsamer Erosion der Begriffe, die gleich schon die Problematik der Idee mittransportiert – die Erosion dieser Sicherheiten bringt möglicherweise keine Befreiung, sondern nur noch härtere Bedingungen. In einem anderen Song der Fehlfarben ein Jahr zuvor heißt es: „Es ist zu spät für die alten Bewegungen / Was heute zählt ist Sauberkeit“, und an die Adresse der alten Hippies: „Ihr kommt nicht mit bei unseren Änderungen.“

Diese Texte wurden als Klage über die eigene Lage ebenso wie als deren Feier wahrgenommen, mit der Begeisterung, die sich einstellt, wenn eine Situation in der Ambivalenz überlebt, im Song, im Text. Rückblickend kann man in ihnen auch das Ende der Linken in jedem üblen Sinn gefeiert finden, gar rechte Texte entdecken. Das zeigt nur, daß die Songs mehr wußten als alle, die sie damals gehört haben, und das macht ihre Qualität aus: Möglichkeiten einer Lage auszusprechen, die man noch nicht genau kennt, aber ahnt, und die dem, was man an ihr genießt, zu widersprechen scheinen. Aber in Wahrheit genießt man an einem Song, daß er die Widersprüchlichkeit einer Lage als offen, als Möglichkeit feiert.

Fünf Schlußbemerkungen

1. Eine andere Erkenntnis des Blicks auf die letzten zehn Jahre ist aber auch, daß Jugend- und Gegenkulturen immer schon lernen mußten, besser zu werden, auf neue Codierungen zu reagieren. In diesem Sinne ist der Ernstfall Rechtsrock, die Ko-Optierung jugendkultureller Strategien durch Rechte, nur eine weitere Station bei der Verabschiedung von Irrtümern, nur eine Verschärfung der Lage von 77.

2. Wenn man sich heute durchliest, was in „glücklichen“, widerspruchsfreieren Zeiten wie den 60ern Eldridge Cleaver, Weather People, Tim Leary und andere, die damals für den „progressiven“ und einheitlichen Aufbruch der Gegenkultur standen, an ausgemachtem Quatsch geglaubt und von sich gegeben haben, wird klar, was Gegenkultur trotz allem gelernt und an geschichtlichen Erfahrungen akkumuliert hat (ohne daß man so genau rekonstruieren könnte, wer was eigentlich an wen weitergegeben hat: gerade dabei spielt Musik natürlich eine Rolle). Linke Dummheiten sind natürlich lehrreicher als rechte.

3. Man muß sich darüber klar werden, daß Popmusik immer davon lebt, daß die Adressaten das, wovon die Rede ist, noch nicht kennen, sich nur vorstellen, daß von imaginären Positionen die Rede ist. Mit Träumen kann man nicht diskutieren, ebensowenig wie mit der Energie, die entsteht. Die Träume derer, die aus der eigenen Scheiße aufbrechen (Hip-Hop), sind aber artikulierter und erreichen mehr Leute als die Träume derjenigen, die entweder aus der Sicherheit und suburbanen Eingepferchtheit nicht einmal mehr aufbrechen wollen (Rock, Unplugged-Clapton-Hörer) oder gar von ihr als Sicherheit in zunehmend unsicheren Verhältnissen träumen (Nazis, Rechte). Wer vom Gangsta-Life träumt – aus guten Gründen oft – , steht einem eben immer näher als einer, der sich irgendwas in „Deutschland“ vorstellen kann. Das, was einem Reißmüller das Leben schwer macht, ist vielleicht der Minimalkonsens, auf den man sich einigen kann. Und wer da einwendet, auch ein Reißmüller habe was gegen Nazi-Rock, übersieht, daß der selber schon ein Nazi ist, da seine Aversionen gegen Nazi-Rock sich allenfalls auf den zweiten Wortteil beziehen.

4. Es war interessant zu verfolgen, wie die Techno-Gemeinde in den Jahren 91/92 versuchte, sich politisch/kulturell einzusortieren und auszudifferenzieren, weil eine weitgehend instrumentale Musik zunehmend genauer codiert wurde. Verschiedene Eindeutigkeiten und Verengungen wurden festgelegt, bestimmte Formen ausgeschlossen. Was schließlich als „befreiender“ Vibe galt, ähnelte dem, was man im Jazz, Reggae und anderen Musiken schon immer als „frei“ empfunden hatte. Eine Ästhetik des Flimmerns und Offenlassens, die immer wieder abrupt sein kann.

5. Schließlich bleibt der Fehlfarben-Satz „sprich fremde sprachen im eigenen land“ wahrer als all die Ambiguitäten der Jugendkultur, auf die man sich nicht (mehr) verlassen kann (Ereignis, Tabubruch, Ekstase, Rausch etc.). Eine Sprache zu besitzen, kann heißen, die Ambiguitäten zu verschärfen und so von denen zu unterscheiden, die bloß vage und daher ko-optierbar geworden sind. Fremde Sprachen im eigenen Land, Kafkas Deutsch in Prag, das schon Deleuze mit der Sprache der Pop-Musik verglich, „eigene“ Sprachen im fremden Land – das ist das Material, das Dissidenz zu Wort kommen läßt, nicht zu versöhnen mit jeder Versöhnung, mit der Harmonie oder Kongruenz des Eigenen im Eigenen: forever young im Sinne von forever dissonant.

  1. Organisationen wie die „Nation Of Islam“ samt diverser Unterorganisationen und Parallel-Sekten „rechts“ zu nennen, ist natürlich problematisch. In ihrer Kritik des Integrationismus besetzen die „N.O.I.“ und andere Separatisten oft die vakante Stelle des Linksradikalismus. Ihre Rekrutierungstechniken, ihre Vorstellung von Disziplin erinnern an kommunistische Parteien, die Community-kontrollierten black owned businesses lassen sich auch nicht auf „schwarzen Kapitalismus“ reduzieren – auf der anderen Seite sind die bekannten sexistischen, homophoben und antisemitischen Positionen der Sekte ohne Frage rechts, und ihre momentan populärste Aktion, die Kampagne zur Freilassung Mike Tysons, ist rundum reaktionär. ↩︎
  2. Im Prinzip gab es drei Sorten Einwände gegen meinen Artikel „The Kids Are Not Alright“ in Spex 11/92, die nicht ernst zu nehmen waren. Formuliert haben sie Karl Bruckmaier (Focus), der behauptete, Rostock sei im Prinzip dasselbe wie L.A., was so dumm und reaktionär ist, daß es eine nähere Erörterung nicht verdient; Maxim Biller (Tempo), der den bequemen Standpunkt desjenigen vertritt, der noch nie irgendwo dabei gewesen sein wollte und wie üblich An-etwas-glauben mit Von-etwas-Ahnung-haben verwechselt: daß er keine hat, rechnet er sich zum Vorteil an; schließlich Bodo Morshäuser (taz), der sein klägliches Verstummen bei einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt mit dem Vorwurf kompensiert, unsereins hätte vor lauter Begeisterung für das Provokative (Punk etc.) den Boden für die Nazis bereitet. Interessant auch die unverhohlene Freude bei diesen und anderen Autoren (Höbel, Winkler etc.), sich durch meinen Artikel legitimiert zu fühlen, sich für Pop/Jugendkultur nun endlich nicht mehr interessieren zu müssen; gerade Hip-Hop los zu sein, wird mit einem Seufzer der Erleichterung als besonders erfreulich empfunden. ↩︎
  3. Prankster – amerikanische Variante des Provokateurs ↩︎