Armee der Finsternis

Im Mittelalter gibt es das Böse, die Burg und den blutigen Brunnen (auf dessen Boden diverse schleimige Monster und Zerquetschinstrumente warten), aber das alles ist nichts gegen eine Kettensäge und eine doppelläufige Flinte aus dem 20. Jahrhundert. Das Einzige, was dem Evil Dead-Dauerhelden bei seinem dritten (und mit Abstand jugendfreisten) Auftritt mehrfach zum Verhängnis wird, ist seine Vergeßlichkeit beim Auswendiglernen von Beschwörungsformeln. Das hat zur Folge, daß er von einem lustigen verhexten Friedhof (wo ihn unter anderem eine Armee von Miniaturausgaben seiner Person angreift und schließlich wie Gulliver am Boden fesselt) nicht nur das berühmte Necronomicon abholt (das er für seine Rückkehr braucht), sondern auch eine Armee von Skeletten aufweckt, die einen Feldzug gegen die Lebenden anzetteln, von dem jeder Grateful-Dead-Video-Regisseur träumen dürfte (hat auch dieselben Längen, die man in Dead-Improvisationen finden kann).

Dieser leichte, immer noch recht billige und verspielte Horrorfilm entfaltet seinen Humor hauptsächlich in Dialogen, deren Komik auf der einfachen Idee aufbaut, daß die mittelalterlichen „Primitives“ (wie sie der Bürger des 20. Jahrhunderts nennt) altenglisch sprechen und immerzu feierlich „Thee“ und „Thou shalt“ sagen, während der Amerikaner ihnen mit „Cool!“ und „Groovy“ antwortet und Frauen mit der Formulierung „Honey, give me some sugar“ rumkriegt. Ob das in der deutschen Synchronisation übrig bleibt? Und ob das so wichtig ist?

In das Filmantiquariat an der Vine Street / Ecke Hollywood Boulevard, wo ich neulich in Seriendrehbüchern der Sechziger stöberte, stolperte ein Nerd aus dem Bilderbuch (schiefsitzende dicke Brille, laufende Nase, lustige Mütze und serienmäßig offen stehender Mund) und stotterte aufgeregt, daß Sam Raimi möglicherweise nächste Woche in irgendeinem Vorort von L.A. Autogramme geben werde. Die Vorstellung, daß dieser und die zukünftigen Raimi-Filme hauptsächlich von einer neuen, Fangoria lesenden Spezies von Teenage-„Trekkies“ gesehen und studiert werden, gibt ihm wahrscheinlich seine Berechtigung. Volljährige Zuschauer werden sich nur die erste halbe Stunde mit diesen Subrittern der Subkokosnuß (lies: Subconsciousness) und ihrem Schwarzenegger-Parodisten amüsieren können. Die Moral, daß es als Ladenschwengel im „S-Mart“ (Shop smart at S-Mart) schöner ist als als König im Mittelalter, verrät auch, an welche Zielgruppe dieser Film gerichtet ist.