Hallo: ein Film mit den Pogues. Erinnert irrsinnig an den neulich mal wieder mit Zähhandlung und Can-Musik und schönen Bildern in der ARD reissuetten Früh-70er-Hip-Film Deadlock von Roland Klick. Vier Leute (circa) kämpfen unendlich langsam und wortkarg, aber hip, und nur von Irgendwie-Kultfiguren dargestellt, um die Beute aus irgend einer krummen Sache in irgendeiner GOTTVERLASSENEN mexikanischen Siedlung irgendwo in der Nähe der berühmten Drehgegend von Almeria/Spanien (hier soll Fassbinder seinem Clan die Hölle schon immer besonders heiß gemacht haben – daher der Titel). Hier sind es allerdings circa zweihundert Leute, die in undurchsichtigen Schlachtordnungen und ohne Grund verwirrte Dinge tun und ständig einander erschießen (es geht um die Beute aus irgendeiner krummen Sache), die Cameo-Auftritte von Hip-Größen und -Schauspielern sind so zahlreich und so unmotiviert und so kurz, daß sie wirklich lustig sind und gegen die natürliche Trägheit des Auges zu kämpfen haben. War das nicht eben Dennis Hopper, das soll Elvis Costello sein, wo ist eigentlich seine Frau, ach das ist die, die aussieht wie der eine Marx-Brother, Harpo, eh? Grace Jones mit Perücke. MUSS MAN GESEHEN HABEN. Jeder sieht aus, als hätte er großen Spaß, und jedes Pogues-Mitglied heißt mit Nachnamen McMahon. Daß hier eine Regie geführt wurde, ist nicht erkennbar, bzw. daß der hemmungslosen Sauflust der Darsteller Einhalt geboten worden wäre (in einem hochinteressanten Artikel anläßlich des Unfalltodes mehrerer Darsteller bei den Dreharbeiten zu einem John-Landis-Film schrieb mal eine Frau im Rolling Stone, daß, wenn die Autoren-Theorie ernst zu nehmen wäre, Landis mindestens der fahrlässigen Tötung schuldig sei, dann wäre aber Alex Cox als Nichtverhinderer und Förderer des Alkoholismus auch einiger arbeitsrechtlicher Vergehen schuldig), wenn nicht ausgerechnet, AUSGERECHNET Joe Strummer die ganze Zeit erstklassige Schauspielkunst hinlegen würde. So sagt er TATSÄCHLICH mit unbewegter Miene: „Eine Pistole ist nur ein Werkzeug. Sie ist immer nur so gut wie der Mann, der sie benutzt.“ Wahrscheinlich hat Alex Cox, der ja schon mit Repo Man einen großen anglo-amerikanischen Punk-Godard hingelegt hat, gedacht, wenn Repo Man Bande à part war, ist dies hier Weekend, nur daß an die Stelle der Erörterung ALLER FRAGEN, plus Kritik und Metakritik bei Godard, bei Cox mindestens genauso viele und genauso dichte Kneipengesprächswitzeinfälle treten, bei denen nicht ganz zu erkennen ist, ob er oder seine Darsteller sie sich ausgedacht haben. Jim Jarmusch als Operettenfaschist, erst wenige Sekunden unter dem Licht der andalusischen Sonne (Andalusien: das Land des Gegenlichts), Jet-Lag im lichtscheuen New Yorker Rattengesicht: dann abgeknallt. Luschtig. Hat noch mehr Platzpatronen als Bier gekostet, dieser in jedem Sinne SPIELfilm, Suspension des Sinns, Aller. Spitze!