Drogen

Auch hier wurden mit Techno und Elektronik-Lifestyle die Karten neu gemischt: Die Synthese aus dem alten, in der Regel nach Innen gerichteten Gebrauch des Halluzinogens (LSD, Meskalin, teilweise auch die THC-haltigen Drogen) und den Laber- und Angeber-Sozial-Drogen Koks und Speed fand sich in Ecstasy bzw. dem Stil, auch bestimmte alte Drogen neu zu nehmen. Als gleichzeitig von Innen glühende Sprachlosigkeit und entschieden soziale Außenorientierung. Zuerst steigerten sich im Verhalten der betroffenen AkteurInnen die Vorteile beider Drogengebrauchsstile: Soziales wurde durch intensive Innigkeit statt durch Ego-Expression hergestellt, Innerlichkeit sozialisiert. Später überwogen, wie immer, wenn Drogen länger around sind und die Alternativkapitalisten sie in die Finger kriegen, die klassenspezifischen Nachteile beider User-Stile. Das ständige intimitätsverletzende Ey-Du-Umarmen kam aus dem Grab der 70er-Psychedelia gekrochen. Am Speedmäßigen verreckten die Leute sowieso.

Währenddessen wurde Drogengebrauch gesamtgesellschaftlich immer nach demselben Muster entsorgt: Aus den entsprechenden geduldeten Lifestyles – sei es Nick-Cave-Bohemien, sei es kreativ-buntes Technokind, sei es X-Large-Hopper – wurde der von der Images verwertenden Industrie erst mitgekaufte Drogenaspekt nach und nach isoliert und dann die mit ihm stigmatisierten User auf denselben Müllhaufen innerstädtischer Repressionspolitik geschmissen, auf dem Punks und Junkies schon eine Weile lagen. 1997 soll es in der Model-Welt einen Heroin-Chic gegeben haben. Selbst Bill Clinton warnte. Models sind natürlich weiter geil und sollen den Chic behalten, Heroin aber muß endlich wieder Gosse werden.

Neulich las ich in Bild-Stuttgart, daß die Polizei in Böblingen (oder war es Göppingen?) erklärte: „Die angenehme Atmosphäre unserer Innenstadt wird von Punks und Junkies gestört. Dagegen gehen wir jetzt vor.“ Was sie zweifellos tun, ob mit oder ohne Rechtsgrundlage. Man fragt sich, was man ihnen an den Hals wünschen sollte, in Böblingen oder Göppingen – die Verbreitung des Ebola-Virus durch Viertele trinken?