Das Wort „Girlism“ hatte sich Spex im Sommer des Jahres 1998 nachweislich ausgedacht und lanciert (und nicht etwa importiert). Der Begriff wuchs heraus aus einer Art anthologischer Liste von Frauen in der Pop-Musik und ihrer Tricks, Ästhetiken und Strategien, denen ein gewisser, von uns begrüßter Anti-Authentizismus gemeinsam war. Anders als es die geläufigen Vorstellungen von „Verwässerung“, „Vereinnahmung“ und „In-falsche-Hände-Geratens“ normalerweise darstellen, ist diese Idee in Spiegel, Petra und diversen Massenmedien in einem leicht unterscheidbaren, anderen Sinne gebraucht worden. Es ging nämlich nun nicht mehr um Strategien von Frauen im Pop-Bereich, sondern darum, zu fordern, Frauen sollten sich politisch so benehmen wie bestimmte junge Frauen das zu bestimmten Zeiten strategisch (politisch und künstlerisch) erfolgreich im Pop-Bereich getan haben. Über diese Ineinssetzung von Pop und Alltag wurde ein ganz besonders sexistischer Backlash lanciert: eine auch noch als emanzipativ verkaufte antifeministische Projektion von jungen Mädchen, die vom Leben nur noch unpolitisch einen individuellen Spaß wollen. Sie sollten endlich mit den feministischen Politisierungen des Alltags aufhören und sich auf die nicht hintergehbare Show-Bühne des Konkurrenzkampfes bewegen. Vielleicht wurde aber auch mit diesem Transfer von Pop in den Alltag von Frauen verlangt, auszuprobieren, ob man die Zumutung, im Alltag ein popfähiger Typ zu werden, nicht überhaupt und für alle als neue Norm ausgeben könne.