Die Behauptung der Herausgeber dieses Dokuments (Bad Brains, Black Dots, Caroline Records 1996) führt in die Irre: Diese Aufnahmen von 1979 beweisen nicht, daß die Bad Brains damit für die nächsten Jahre Hardcore definiert hätten. Sie zeigen im Gegenteil zwei Eigenschaften der Bad Brains, die Hardcore die nächsten fünf bis acht Jahre vermissen ließ; nämlich ein Gefühl für schwierige, Jazz- oder Reggae-gesättigte Melodien (im Herzen des Chaos) und ein unübliches Herausstellen von Einzelleistungen im Zentrum des kollektiven Durchdrehens: Gitarrensoli, eine veritable Singstimme statt des üblichen Shoutens, ein hyperaktiver, individualistischer Drummer. Sie kamen halt vom Jazzrock und waren unterwegs zum Roots-Reggae. In beiden Bereichen blieben sie genauso Fremdkörper wie zwischendurch in der HC-Welt, in der sie berühmt geworden sind. Diese sieben schon gehörten und neun noch nie gehörten Nummern aus jenen legendären Momenten der Gründung der Washington-DC-Szene zeigen eher, daß die überwältigenden und transgressiven Seiten eines Genres immer schon nur von denen richtig ausgereizt werden konnten, die sich mit diesem nicht 100%ig identifizierten. Wie es geklungen hätte, wenn die Bad Brains an Punk geglaubt hätten wie andere, kann man in „Redbone In The City“ hören, wo H.R. eine Johnny-Rotten-Imitation genau zwischen ehrlicher Begeisterung und distanziert-befremdeter Parodie gibt. Diese Band war bei aller Mimesis an genau definierte Stile und Stammesmusiken immer näher an einer „reinen Musik“, die halt mehr wirkt (und „reiner“ ist), wenn sie sich nicht als rein offenbart und stattdessen mit einer außermusikalisch codierten Musik Pakte schließt.