Joseph Beuys war Rheinländer und westgebunden wie Adenauer.
Er war politischer Utopist wie die 68er. Er war Ökologe wie die Grünen. Er war ein religiös-wahnsinniger, mit Engeln konferierender Anthroposoph. Und er baute seine persönliche Mythologie auf Kriegserlebnissen auf. Er hatte die Neigung, Politik zu ästhetisieren und mit emotionalen Begriffen aufzuladen – zuweilen zu ihrem radikalisierenden Vorteil, zuweilen zu ihrem entpolitisierenden Nachteil. Umgeben von Muff, war er das Gegenteil von muffig.
Der tote Hase ist ein verblüffendes, lustiges und doch merkwürdig ernsthaft berührendes, ästhetisches und doch noch auf etwas ganz Konkretes direkt anspielendes Objekt. Gleichzeitig ist er ein Zeichen in einer privaten Mythologie, die sich zwar nicht komplett als faschistoid beschreiben lässt, wie es Teile der neueren Beuys-Forschung versuchen, aber doch als ungut.
Als die Kunstwelt aus konzeptuellen und politischen Gründen Kunstbegriffe erweitern wollte, übernahm Beuys den Job für die BRD. Statt auf Theorie setzte er beim erweiterten Kunstbegriff auf seinen lustigen Schamanismus und auf den Menschen: Jeder Mensch sei ein Künstler. Gemeint waren kreatürliche Eigenschaften, entdeckt anhand der Eleganz spanischer Müllmänner, die Beuys eines Morgens nach einer durchzechten Nacht in Madrid bei ihrer Arbeit beobachtete. Diese leicht ideologisierbare Menschlichkeit, die Mischung aus Autorität, herzlich-rheinischem Gemütsmenschen und tatsächlich radikalem Denker: Nur die konnte die Mischung seiner Bestimmungen und Interessen zusammenhalten und zum Werk verdichten. Anders als die Werke vergleichbar berühmter Kollegen wie Warhol ist Beuys’ Werk nach seinem Tode kaum einflussreich geblieben. Es war an die Präsenz der Person gebunden, deren Performance, deren 24-stündiges Auftreten es so berühmt hat werden lassen.