Archie Shepp beklagte sich einmal über die Projektionen weißer Jungs auf schwarze Musiker als Revolutionäre und unbestechliche Verkörperungen eigener unrealisierter Hoffnungen. Würden diese Jungs enttäuscht, so Shepp, würden sie sich fürchterlich rächen. Ich will nicht leugnen, in Ice Cube wie in die Poor Righteous Teachers gewisse, wenn auch immer schon eingeschränkte Hoffnungen investiert zu haben. Auch nicht, daß – würde irgendeine weiße Mastino-Züchter-Metal-Band den Scheiß produzieren, für den Ice Cube hier zeichnet – mir das keine Erwähnung wert wäre. Soweit also will ich mein Urteil gerne relativieren. Wahrscheinlich aber habe ich trotzdem recht.
Ice Cube hat mit Mack 10 und WC die Gruppe Westside Connection gegründet und eine Platte aufgenommen (Bow Down, Priority/Virgin 1996), deren einziger Gegenstand die gegenwärtige Ost-West-Küsten-Auseinandersetzung ist. Ihr einziges Stilmittel ist die Grimasse, die böse Flunsch, die sie auf diversen Vierfarbfotos auf dem Booklet vorzeigen. Die Musik ist so dürftig wie schon lange auf keiner Hip-Hop-Platte mehr. Die Texte so retardiert sexistisch, blöde und aggressiv wie die Hirne von Hundezüchtern. Wer mir nicht glaubt, höre sich einfach „All The Critics In New York“ an, mit seinem beleidigten Gekläffe über die „niggas“, die die Westside nicht respektieren. Natürlich fällt ihnen nur ein, das mit „the battle of the sexes“ zu vergleichen die Gewinner sind die Pimps, die Verlierer die Bitches. Daß dieses Werk die Spitzen der Charts erreicht hat, ist der letzte Beweis, daß Hip-Hop in den USA die Landjugend erreicht hat.
Etwas komplizierter liegt der Fall beim verschwörungstheoretisch überkandidelten Comeback der Poor Righteous Teachers (The New World Order, Profile 1996). Musikalisch ist hier nämlich noch einiges los. Darüber hinaus zeigen die zum Glück nicht von der Lektüre von Illuminaten-Traktaten, Himmler-Biographien und dem anderen auf dem Cover ausgebreiteten Bücher-Wahnsinn geprägten Liebeslieder, bei allem Quatsch über Sisters immerhin, daß in ihrem Leben noch irgendwas Anderes los ist als Visionen über das Große Tier, das in einem Computer in Brüssel sitzen und die Nummer 666 auf allen Kreditkarten und Warencodes der Welt untergebracht haben soll. Die PRT sind flexible, nicht nur Reggae-geschulte, sondern zuweilen auch recht soulvolle Rapper, zuweilen sogar mit Humor. Dennoch machen es die Pamphlete, die dieses Werk doch entscheidend prägen, unmöglich, das 5%er-tum hier noch als spielerisch und offen zu verstehen, wie Hans Nieswandt das vor ein paar Jahren bei einer Begegnung mit ihnen tun konnte: Demagogie und Ideologie rulen oft aufs Penetranteste, und auch KRS-One reiht sich dabei als Gast wortgewaltig ein, immerhin also der Mann, der einst vor den Irrlehren der diversen Hip-Hop-Moslems gewarnt hatte. Immerhin aber geht es auch noch gegen White Supremacy und nicht gegen Bitches von der East Coast, immerhin stimmt auch die Musik, und immerhin haben auch die Beats eine Wahrheit. Die Frage ist nur, ob man das noch hört, wenn man sich wegen einer paranoiden Predigt die Ohren zuhält.