Ob ich nach Tschernobyl anders schreibe? Vielleicht keine Gedichte mehr oder so? Sie werden lachen: Nach jedem Flugzeugabsturz schreibe ich keine Gedichte mehr. Und zu jedem Jahresgedächtnis jedes Flugzeugabsturzes schreibe ich auch keine Gedichte. Aber wie soll sich ein fitter Kopf von derartigen Kitsch-Katastrophen sein Alterswerk verderben lassen: Menschen sterben. Heutzutage angeblich durch Katastrophen, früher hat man gewußt, daß sie viel eher vom täglichen Leben und dessen Dürftigkeit und Gemeinheit versaftet werden, davon wird durch die Beschwörung elementarer Kräfte wie der Natur, der NASA, der Chemie, der Biologie und der Radioaktivität abgelenkt. Zur Wiederholung regressiver Epochen gehört eben die Angst vor der unsichtbaren Gefahr. Aus dem Osten und unsichtbar: Kommunistische Bakterien im Trinkwasser. Jeder, der einmal im Kino war, weiß, daß daraus die Liebe zur Bombe folgt.