Kai Althoff, Musiker (vor allem Workshop) und bildender Künstler, saß auf einer Matratze, ein alter Plattenspieler spielte seine frisch gepreßte, aber alte Platte (seiner imaginären Gruppe Ashley’s). Sie klang nach soundistischen, monotonistischem Großkrautrock. Seinen freien Oberkörper hatte Althoff mit ringelpulloverartigen Streifen bemalt. Die beiden Siebziger-Jahre-Kerzen auf der Fensterbank hinter ihm nahmen das Motiv und die Farbpalette der Ringel auf: etwa „Hamburger Pulli“, aber herber, mehr violett, mehr Fruchtzwerge als Gummibärchen. Althoff rauchte heftig Zigaretten und sah meistens zu Boden. An diesem Boden stand aufgefächert das circa fünfzehnfach klappbare Klappcover seiner LP, die eigentliche Hauptsache dieses Abends in der Kölner Galerie von Daniel Buchholz, die hier dem Artwork und anderen Parerga die Plattform gab.
„Ashley’s“ zeigt mehrere gesellige Szenen frisch befreiter Menschen, die man sich im London kurz nach Swinging London, die Bang-&-Olufsen-Anlage und das Tiffany’s-Revival in Sichtweite, etwa bei einer Traffic-LP-Release-Party im neuen Island-Gebäude vorstellen möchte, mit Filzstift in einem Heinz-Edelmann-artigen Stil gezeichnet.
Allein schon die Filzstiftschraffur reicht aus, um erklären zu können, wie hier mit extrem (kindheits-)obsessiv besetzten Gestaltungselementen gearbeitet wird, die aber auch zu Inhalten sich verhalten sollen, etwas erzählen müssen. Das Problem, das die geile Grellheit des Filzstiftes, wenn man nicht aufpaßte und zuviel auf einer Stelle herumschraffierte, seine zumal in der Frühzeit eigenartige Palette, in ein zerstörerisches, nur noch Feuchtigkeit verbreitendes und Papier aufschabendes Ärgernis verwandelte, ist allen noch erinnerlich, die sich in die Eleganz und die künstliche Fruchtigkeit der ersten Sets verguckt hatten. Die Schraffur wird gerade nur an diese Grenze getrieben, die Geschmeidigkeit, Glattheit, Unmischbarkeit des Filzstiftes wird ausgespielt als Tuning für den Sound der Entspanntheit des hier auf den Szenebildern dargestellten, schon abgeschlossenen Befreiungsvorgangs.
Der Exzeß liegt schon hinter uns, wenn wir (vgl. die Zeichnung „Cereal Breakfast at Nell’s“) zu den Zerealien greifen. Die Versprechen der Lebensmittelfarben gehören zu den stärksten psychischen Kräften. Nur aus solchen industriell vorgeprägten Kontrasten und Harmonien läßt sich noch die Transformierbarkeit einer Welt ablesen, die ansonsten alles getan hat, um Pop die transgressiven Tücken abzugewöhnen.
Das Buchobjekt „Ashley’s“ besteht aus 13 Zeichnungen im Offsetdruck auf Karton sowie einer Schallplatte (Auflage 200, numeriert). Es kostet DM 250,– und ist über den Spex Mail Service oder Daniel Buchholz (Tel. 0221/257 49 46) zu beziehen.