Ansteckende Krankheiten, ungesicherte Übertragungsverhältnisse: Malaria! ging aus Mania D. hervor, ein Trio, das schon ohne Musik über Style und Artwork seine Fans gefunden hatte. Man behielt bei der Erweiterung zum Quintett die ersten beiden Buchstaben bei: Mittelalter, Maske, Magister Artium, Mama. Und die Bedeutungswelt: Erhitzung, Krankheit, Fieber, unklare Zustände. Der Beat und das Saxophon, die für die Kontinuität beider Bands stehen, konnten nur über seinerzeit nicht zu vermeidende Mißverständnisse wie andere zeitgenössische Beats und Sounds gelesen werden, standen wie ein kursiver Buchstabe für das ein, was die Titelworte versprachen: ein nicht eingelöster Funk, nicht entwickelter Jazz, ein unversöhntes verkrampftes Beharren auf einer Differenz, für die es damals wirklich keine Worte, aber erst recht keine benennbare Musik gegeben hätte (gibt es sie heute?).
Was gern als dezidiert female bezeichnet wurde, war ein Bestehen auf der Klarheit, Unverrückbarkeit des Unklaren, ein Style, den jeder wahrnehmen und verstehen konnte, aber der von nichts Gesichertem sprach (wie Style normalerweise), sondern das Recht auf nicht relativierbare Richtigkeit im Namen der Zustände beanspruchte, die sich normalerweise als „poetisch“ tätscheln lassen müssen. Solch kommunikative Militanz für das Unentwickelte, sich selbst Unklare, aber in sich selbst Verliebte, schützte, stärkte, fütterte das Beste an Pop. Malaria! stellten so viele klare, scharfe, anziehende, sichere, muskulöse, strenge Zeichen aus, wie sie sich weigerten, entgegen den Gepflogenheiten dieser Zeichen und der Welten, in denen sie zirkulieren, dieses zu einem lesbaren, reproduzierbaren, verwaltbaren Gattungstext verflechten zu lassen.
Wie alle großen, der Erinnerung werten „einzigartigen“ Pop-Musiken war auch die von Malaria! nicht die eines genialen Erfinders, dessen Handschrift an allen Taktstrichen und Sequencerprogrammen abzulesen war, sondern ein anziehender, sich selbst genügender Gruppensound, dessen Zustandekommen und Urheberschaft Geheimnis blieb: seine Charakteristika überlebten Umzüge und Umbesetzungen von der ersten Mania-D.-Single bis zum letzten Malaria!-Gig, sie finden sich vom Soundmüll einer Live-Cassette von einem Düsseldorfer Mania-D.-Gig, die ich das Glück habe zu besitzen, bis zu den Fast-Disco-Mixes der internationalen Malaria!-Produkte der Spätphase. Es ist keine Musik des Masterplans, des Mix oder der Individuation, es ist ein Sound, der, wie ein Gemeinplatz zu Recht über gute Sounds sagt, mehr ist als die Summe seiner Teile.