Old School

„… and I’m never going back to my old school!“, riefen uns Steely Dan 1973 zu. Heute wollen eigentlich alle Jugendkulturen gleichzeitig ganz neu und ganz alt sein. Frisch und unvereinnahmt und legitim und alt wie Whiskey. Die Tubes formulierten dieses Paradox schon 1978: „I was a punk before you were a punk.“ Ich wiederum, der Verfasser dieser Zeilen, legitimiere mich über meine gut abgehangene, uralte Kenntnis uralter Versionen dieses Paradoxes. Trotzdem habe ich das Gefühl, daß die Anzahl von Leuten, die zumindest so tun, als wären sie brandneu, denen gegenüber geschrumpft sind, die immer schon das gewesen sein wollen, was sie jetzt sind. Klar, wo es keine Kontinuitäten mehr gibt, werden sie zu einem raren begehrten Gut, könnte man meinen, aber dann gäbe es einfachere Mittel als Anciennität ausgerechnet auf dem Gebiet der Jugendkultur zu suchen. Ist es nicht eher so, daß man, solange man neu ist, Legitimität glücklicherweise überhaupt nicht braucht, daß, wer einen gerechten und schönen Anspruch hat, sowieso nicht begründen muß, warum er oder sie mit diesem einen Weltverbesserungsentwurf begründet oder ein anderes Leben formuliert, und daß nur im zweiten Moment, wenn die erste Raketenstufe abgebrannt ist, eine Legitimation notwendig wird? Und da fallen einem als erstes die Bedingungen der neuen Lage ein: meine erste Stufe ist abgebrannt, ich bin also älter geworden, na klar, ist dieses „älter“, dieses „schon länger dabei“, meine neue Legitimität.