Sex Gang Children

An den dreiteiligen Gruppennamen sollt ihr sie erkennen. Die Kinder des Positive Punk Movement, das Anfang 1983 in England und später auch hierzulande als neues, genuin subkulturelles Phänomen gefeiert und nach abgeschlossener Verdünnungsphase nun sogar in den Stern und den Kulturweltspiegel (Berichte über den in der Tat sehenswerten Positive-Punk-Lieblingsclub „Bat Cave“) Eingang gefunden hat. Inzwischen krähen zwar keine Hip-Medien mehr nach diesen Bands, aber wie schon bei den alten Punk-Bands ist das Interesse der Kids für diese Bands wesentlich zäher und langlebiger als das der Journalisten. Was daran liegt, daß sie Pubertätsmusik machen. Pubertätsmusik wird immer gebraucht und meistens kann der betreffende Journalist als im Berufsleben stehender Mitdreißiger nichts mit den Bedürfnissen anfangen, die Bands entstehen lassen, deren Hauptanliegen das Wesentliche, das Tiefe und Magie sind. Wie früher die Hippie-Bands Indien haben diese „Gothic“-Musiker Aleister Crowley, Schwarze Magie und spezifisch britische Mysto-Traditionen gemolken, um den sinnsuchenden Heranwachsenden, die entsprechend leicht ranzig ausgefallene Lebenshilfe zu servieren.

Trotzdem ist das alles nicht so schlimm, wie es klingt. Die Gothic Bands haben mode- und kultmäßig einige belebende Entwicklungen in Gang gesetzt (Fledermäuse), die für sich poppig und lustig sind und nicht vor dem blutigen Ernst triefen, der aus Namen wie Spear Of Destiny oder Southern Death Cult spricht. Eine Band, die Sex Gang Children heißt, kann es sowieso nicht so ernst mit der Soße nehmen wie die anderen. Auf ihrer ersten Maxi haben sie auf eine sehr originelle Weise Fairport Conventions (of all people) „Babbacombe Lee“ zitiert, und abgesehen davon, daß ihre Musik auf Platte ein bißchen spröde klingt, kann man an einigen ihrer kleinen Einzeleinfälle ermessen, daß sie auf der Bühne ganz spaßig sein können.

Vielleicht wie Anfang der 70er Black Widow.