Das Sinclair-Buch ziert eine Abbildung von James Dean, Marilyn Monroe und Jimi Hendrix. Was haben die drei gemeinsam? Richtig, sie sind tot. So tot wie Luther, Bismarck, Columbus und Heliogabal. Um nur einige zu nennen.
Die Autorin hat aber Sensationelles gerade an populären Toten des 20. Jahrhunderts entdeckt. Irgendwie gibt es da Mythen und hochinteressante Zusammenhänge zwischen dem frühen Tod einiger Stars und ihren Mythen.
Die ausgewählten, hier porträtierten Toten sind alle vom gleichen Bekanntheitsgrad wie die oben erwähnten. Man weiß alles über sie und erfährt es hier aufs neue. In schlechtem Deutsch. Das einzige Verdienst des Buches ist die Einbeziehung des relativ unbekannten, aber großartigen polnischen James Dean Zbigniew Cybulski (Asche und Diamant). Das Buch beginnt mit drei Zitaten, die man englisch gelassen hat. Dafür mag es bei den englischsprachigen Autoren Jimi Hendrix und Emily Dickinson eine gewisse Berechtigung geben. Blaise Pascal aber hat französisch geschrieben, also läßt man ihn französisch oder übersetzt ihn in einem deutschen Buch ins Deutsche. Pascal auf Englisch, das ist so krude, luschig, ungebildet. Zum Wegschmeißen.
Über Janis Joplin, den elendsten aller Totenmythen, der Mythos, der sagt, daß du eine an beiden Enden brennende Fackel sein mußt, um mittelmäßigen Hippie-Blues richtig rüberzubringen (Janis Joplin war nur gut mit Big Brother And The Holding Company und das nicht ihretwegen, sondern wegen der Gruppe), erfahren wir: „Janis legte alle ihre Gefühle in ihre sensationelle Bühnenshow.“ Das tun Herman van Veen und André Heller auch, aber es nützt nur was bei Karl Remy.
„Jim war der Sänger der Doors, die für die Tiefe ihrer Songs bekannt waren.“ Bildunterschrift: „Der mystische Jim Morrison auf der Bühne 1969.“ Über die Ödipus-Klamotte „The End“: „Sein zwiespältiges Verhältnis zu seinen Eltern“, und über Keith Moon kann sie sich natürlich auch nicht verkneifen zu mutmaßen, er habe den Satz „Hope I die, before I get old“ wörtlich genommen. Ekelhaft und überflüssig.
Marianne Sinclair: „Wen die Götter lieben“, Rowohlt Taschenbuch Verlag DM 24,80