Auch live repräsentieren YMO zwei auseinanderstrebende Richtungen: hier Experimente, dort Dauerrhythmus-Maschinismus. Letzteres setzte sich nach etwa drei Stücken durch. („Die spielen, wie sie Autos bauen“, sagt einer.) Das Yellow Magic Orchestra (sechs Japaner mit Maschinen und Kopfhörern) wirken wie die Steuerungszentrale eines großen Kraftwerks. Untereinander verkoppelte Mechanismen, Relais, Steuerungs- und Kontrollinstanzen, kurz und langgeschlossen, kontrollieren einen nie endenden Disco-Energie-Strom, schalten Nebenleitungen ein, fluten das Kraftwerk fast, um im nächsten Moment mit erhöhter Produktion fortzufahren.
Man hat nicht den Eindruck, das YMO würde irgendwelche Töne herstellen. Stattdessen wirkt es so, als wäre die Musik von vornherein da und die Musiker nur hier da begradigend und korrigierend eingesetzt.
YMO erwecken nie den Eindruck, sie seien mechanisch oder emotional an dem beteiligt, was auf der Bühne vorgeht, außer in den wenigen liedhaften und den erwähnten ersten experimentellen Stücken. Was den Rest betrifft, das Vorführen von hochqualifizierter verantwortungsbewußter moderner Facharbeit, so war es eben so schön wie nervtötend: Dem Zuschauer blieb es überlassen, sich bewußtlos, aber irgendwie beglückt, an die rastlos funktionierenden Maschinen anzukoppeln oder das Konzert zu verlassen und sich weiter als autonomes Individuum zu fühlen.
P.S.: Auf Platten sind YMO übrigens wirklich anders, nämlich genau die inspirierte Popgruppe, die Michel weiter oben beschreibt.