Ihr ärgert euch, daß wir so viel über ZickZack-Feste berichten. Der Grund ist einfach: es fanden in letzter Zeit einfach keine Monogam-, Rondo-, Ata-Tak-, Marat-, Iron-Curtain- oder NoFun-Festivals statt, daher also nochmal ZickZack-Fest in Hamburg, das bisher beste von allen.
Korpus Kristi aus Limburg, Quintett in punkigem Outfit, mit überdimensionalem Kreuz auf der Bühne. Die Leute konnten spielen, taten aber so, als würden sie’s nicht können. Noisy Improvisationen über einen rockigen Background. Nicht schlecht, aber ohne Höhepunkte. Nylon Euter dagegen fand ich richtig schlimm: Eine richtig professionelle Nostalgie-Show, mit Cover-Versionen, Kostümen und einem foolesken Bühnen-Konzept. Pop für Alternative der vorigen Generation. Aber sie mußten eine Zugabe geben. Die übrigens für Hamburger Verhältnisse sehr ruhige Masse gab dem Kritiker Unrecht.
Xmal Deutschland aus Hamburg, Mädchen-Quintett, machen Hoffnung. Gegenüber ihrem Debüt beim Silvester-Fest wesentlich verbessert, zumindest in der Bühnenpräsenz. Die Musik ist harte, moderne Kantigkeit, ohne Unentschlossenheiten und mit tollen Frisuren, sehr direkt vermittelt. Manchmal hört man Siouxsie-Einflüsse, aber das Ganze ist schon sehr eigenständig (hiermit seid ihr, Xmal Deutschland, in die heiligen Hallen der Sounds-Redaktion eingeladen, Steindamm 63, U-Bahn Lohmühlenstraße), die Texte waren allerdings etwas peinlich. Ich bin nie zufrieden; doch: bei Palais Schaumburg, trotz technischer Ausfälle und zum Trio geschrumpft total überzeugend. Sie sind und bleiben Hamburgs Numero-Uno-Tanzorchester und wissen immer besser aufzutreten und sich zu vermitteln.
Auch Wirtschaftswunder konnten sich erneut als Live-Band auszeichnen: Gleich zwei starke Frontleute: Sänger Angelo, der mit seinem Italo-Schmalz selbst einen Kevin Rowland fade wirken läßt, und Tom Dokoupil, diesmal nicht nur wie bei Radierer an Keyboards, sondern als archaisch-bulliger Gitarrero. Die Songs kamen durchweg besser als auf Platte. Ein gelungener Abend ging zu Ende.