Autor: admin

  • Gun Club

    Grundsätzliches zu Gun Club stand in der letzten Nummer, Abt. LP-Kritiken. Nun also Detaillierteres: Nach dem letzten Gun-Club-Konzert in Hamburg waren einige sonst äußerst ruhige und distinguierte Musik-Connaisseure so aufgeheizt, so geladen, männlich-aggressiv sexualisiert, daß sie ohne Not in alle möglichen Lokale gingen und Schlägereien mit ihnen körperlich weit überlegenen Mitmenschen anzettelten, sich fremdartigen Drogen ergaben, die sie nie vorher und nachher in ihre Nähe kommen ließen, und fremde Frauen mit derart satanischen Blicken fixierten, daß diese die Flucht ergriffen.

    In New York sah ich den Gun Club im versyphten CBGB’s an der Bowery. Meine Begleiterin war schon eingeschlafen, denn es dämmerte bereits. Nur noch wenige hatten in diesem Kotpfuhl die mehrstündige Wartezeit durchgestanden, die meisten hatten sich ihr Geld zurückgeben lassen.

    Als dann Pierce, die blonde Bestie, auf die Bühne torkelte und die anderen ihren Lärmblues dazugaben, wankten reihenweise die bizarrsten, zerrissensten Penner und Unterweltgestalten in den Laden. Wie in Escape From New York. Eine Invasion der Zombies, die jaulend dem Zustand Rechnung trugen, daß sie plötzlich durch einen magischen Vorgang ihr Bewußtsein zurückerlangt hatten. Es war zum Eisenbahnbauen. „Best Of Both Worlds“.

    Mit diesen Männern oder diesen anderen Männern aus Hamburg hätte man die Welt aus den Angeln heben können. Den Mond besteigen. Die Eiger-Nordwand, das Establishment dahinmetzeln, die Lüge aus der Welt schaffen.

    Also Gun Club vermitteln so eine horrormäßige Luzidität bei gleichzeitig größtmöglicher Trunkenheit, daß man von ihren Konzerten (jedenfalls den dreien, die ich gesehen habe) nur als Schlüsselerlebnis sprechen kann.

  • Einstürzende Neubauten

    Ihre Tournee-Bilanz der letzten Jahre liest sich wie eine Agenda des Goethe-Instituts. Als Botschafter deutscher Querschädeligkeit, sprichwörtlicher Schwere (die metallenen Materialien der Neubauten sind halt schwer, und noch jeder zweite Journalist gefällt sich darin, im Zusammenhang mit den Neubauten von „Heavy Metal im wahrsten Sinne des Wortes“ zu sprechen) und avancierter Berliner Verwahrlosung sind sie aus der Repräsentation des Deutschtums im Ausland nicht mehr wegzudenken. Es ist nicht so, wie immer wieder gesagt wird, daß der Prophet nichts im eigenen Lande gilt; manche Propheten produzieren halt für den Export. Andere treiben Binnenhandel.

    Dabei hatte alles so lokal, so schräg, so abseitig begonnen, daß kaum einer glauben konnte, diese Weirdos, die ihre Steinklopfer-Mutanten-Musik im Inneren von Autobahnbrücken aufnahmen, würden sich länger halten als der kurzfristig aufflackernde Schräg-Boom in der mittleren NdW-Zeit (1981). Inzwischen sind es fast fünf Jahre. Denn die Gruppe um Blixa Bargeld konsolidierte sich im Schrägen. Sie überlebten DAF und Ideal und verstanden es wie Xmal Deutschland, in Britannien die Exotismen der Post-Cocktail-New-Wave-Generation zu befriedigen. Besser: Sie waren eben die rasend aufregende Alternative zum hausgemachten Cocktail-Wave von 1982.

    Auftritte auf Documenten, in der Mojave-Wüste oder bei Pariser Avantgarde-Shows schufen den Draht zur kosmopolitischen Avantgarde-Art-Intelligentsia, ihrer zweiten treuen Klientel neben den britischen Born-again-Punks. Seit 1984, inzwischen sind ihre Platten auf englischen Labels erschienen, Marc Almond küßte Blixa backstage, Stevo holte sie zu Some Bizarre, Birthday Party bzw. Nick Cave arbeitete mit Blixa, Fad Gadget widmete ihnen einen Song, und Test Department imitieren sie, wenden sie sich auch wieder der Heimat zu. Ein Konzert in Bochum wurde als einziger Deutschlandauftritt angekündigt (strafend zieht der Prophet die Augenbrauen hoch, ob der Ignoranz im eigenen Lande), doch der Test schien erfolgreich genug, nunmehr eine Tournee zu wagen.

    Im Vokabular der Neubauten erscheint für mich zu häufig die Vokabel Energie, als „Energy“ Zentralbegriff jeder Hippie-Ideologie.

    Aber ich kann darüber hinwegsehen. Nicht nur wegen der amüsanten Spekulationen über das Deutsche, das die Neubauten immer wieder im Ausland provozieren, nicht nur wegen ihres ultimativen Images, das sie nicht aufgeben oder modifizieren, sondern vor allem, weil Sänger Blixa Bargeld ein Entertainer ist, dem zuzusehen Freude macht.

  • The Edgar Broughton Band – Als Böse noch Gut war

    Als ich mich noch fragte, ob Jimi Hendrix, Cream oder, wie von interessierter Seite gewünscht, Hawkwind oder Grateful Dead, oder, wie ich mir am meisten gewünscht hatte, die Incredible String Band zum Gegenstand dieses Artikels werden sollten, begab es sich, daß Xao Seffcheque mir erzählte, er sei gerade damit beschäftigt, eine Anthologie von Wire zusammenzustellen. Nach Bekunden meines Interesses erwähnte ich, daß die Anthologie, die wir heute brauchen, eine Edgar-Broughton-Geschichte wäre. Da sagte er nur was von Pseudo-Politicos und wir wechselten das Thema.

    Man denke nur darüber nach, welche ungeheure Reputation noch heute Ton, Steine, Scherben genießen, die großen gigantischen Vorfahren aller wichtigen neuen Deutsche-Welle-Gruppen, die unerschrockenen Häuserkämpfer und – wie sie wirklich waren – diejenigen, die es schafften, umherschweifende Haschrebellen und Jim Morrison unter einen Hut zu bringen. Was bleibt von Edgar Broughton, seinerzeit unumstrittener Vorkämpfer politischer Rockmusik in Europa: ein Nachgeschmack von Pseudo.

    Pseudo – das ist nicht nur der oft bekämpfte fatale Echtheitsanspruch. Das ist vor allem ein Urmißtrauen gegen den einfachen wahren Satz aus der Prä-Nachdenklichkeit. Ja, post-nachdenklich sind sie alle heute. Rufen Rawums und zeigen den Hippies lange Nasen, beschwören Spaß und all den Jazz. Ja, auch zur Neo-Nachdenklichkeit fühlen sie sich zuweilen hingezogen, siehe den Boom von Lyro-Barjazz und Everything But The Girl und Elvis Costello. Aber daß es vor der Nachdenklichkeit einmal eine Zeit wunderbar wahrer Dickaufträger gab, besonders in England. Vergessen. Nicht echt. Pseudo.

    Edgar Broughton war die Fortsetzung von Arthur Brown mit anderen Mitteln. War die Verlängerung englischer Aleister-Crowley-Begeisterung in Poppolitik und psychologischen Spinnkram. War Vorgänger und Weggefährte großartiger Bands wie Pink Fairies. War der Vater, irgendwie auch von Lemmy, aber mit mehr Verantwortungsgefühl, Pech und anderen Drogen.

    Wollen wir uns auf wenige Werke der ersten beiden Broughton-LPs konzentrieren: Wasa Wasa und Sing Brother Sing. Davon die Titel: „The Psychopath“, „Momma’s Reward“, „Apache Drop Out“ und, vor allem: „American Boy Soldier“.

    Edgar sang mit der Stimme eines Kinderschlächters. Von der Idee ausgehend, daß politische Radikalität sich das Bild von Bosheit zunutze macht, das den Kindern des Establishments eingeimpft wurde, bevor sie outdroppen. Da das Establishment böse ist, muß natürlich das Böse des Establishments das Gute der Drop-Outs sein. Er war der böse Mann. Charles Manson. Als die Hetze gegen Charles Manson begann, glaubte man in Hippie-Dropoutland zunächst an eine Verschwörung des Establishment, das an Charles Manson ein Exempel statuieren wollte, vorgeblich die Verknüpfung von Hippietum und Bosheit beweisend. Das Ergebnis hieß: Solidarität mit dem Satan. Aus diesem Motiv schrieb zum Beispiel Ed Sanders seine Geschichte der Manson-Family. Erst die Recherche machte ihm klar, daß die Family wirklich ein Haufen grauenhafter Wahnsinniger war und die halbe kalifornische Musikszene dazu. Aber aus Eds Impuls zur Recherche erklärt sich die Stimme von Edgar.

    „Momma’s Reward“ war der Party-Hit der Edgar Broughton Band. Ein stumpfes Riff (heavy) und ein (für uns damals) unverständliches Genöle von Edgar. Von der Funktion her vergleichbar mit Eater oder The Can. Begeisternd reduktionistisch. „Apache Drop Out“ ist eine ineinanderverwobene Collage aus Captain Beefhearts „Drop Out Boogie“ („You wanna drop out? Come on, come on, drop out! drop out!“) und „Apache“, dem bekannten Instrumental von den Shadows. Die reine Beschreibung zeigt an, zu was Edgar Broughton fähig war, wie sehr er Politiker, Künstler, Denker war (wenn auch zugegebenermaßen ein hochgradig bekiffter, zugewachsener Solcher). Also: Die knarzig-zynische Beefheart-Forderung, man möge doch, wenn man schon soviel tönt, den Bruch mit der Gesellschaft wagen und dann dazwischengeschaltet das ätherisch-losgelöste Western-Freiheitsversprechen der Shadows (beides von der Broughton Band ziemlich originalgetreu nachempfunden), das einerseits die Beefheart-Forderung unterstützt (so schön ist die Freiheit) und zweitens als bürgerliche Scheiße entlarvt (die Freiheit ist nichts anderes als Zigarettenreklame mit Shadows-Musik, bestenfalls ein Western von John Ford). Wohlgemerkt beides, denn Broughton war klug. Er war nicht so schnell mit der Entscheidung gegen das Westernfreiheitsgefühl bei der Hand wie seine Fellow-Politicos, aber er fiel auch nicht auf Beefhearts Radikal-Individualismus herein. Denn aus Drop Out wurde bei Beefheart zwei Platten weiter „I’m goin up to the mountains for the rest of my life / before they take my wife / before they take my wild life“. Eben Desperado. Bürgerlich. Unrasiert (wenn auch saugut).

    „The Psychopath“ ist ein verschachteltes Drama von einem Kindermörder, der Schmetterlinge liebt. Irre. Verstehst du Bruder: ganz schön verrückt. Hier kommt die lächerliche Freak-Vorstellung vom Irren, Weirdo, Monster, die ganze Prä-Texas Chain Saw Massacre-Begeisterung für das Abseitige, die noch nicht weiß, was sie ist, für wen sie spricht und was sie will, zum Ausdruck. Die Faszination für das Böse, die noch nicht weiß, daß das Böse die Rache des Guten für das Wegkolonialisierte darstellt. Wenn Edgar immer wieder mit durchgeknallter Stimme von den „Butterflies“ säuselt, lernt man, daß er, Edgar Broughton, schon damals begriffen hat, was Leute wie die Cramps heute weiterführen, daß die wahnsinnigen Verbündeten des Pop die Zombies und Norman Bates dieser Welt sind und nicht, wie z. B. die Einstürzenden Neubauten immer noch zu meinen scheinen, Leo Navratil und seine schizophrenen Mundmaler. Am Rande gebietet es mir die Fan-Pflicht, bei diesem Anlaß auf ein anderes verkanntes Meisterwerk hinzuweisen: Iron Butterflys 25-minütiges „Butterfly Bleu“, ein Spätwerk dieser zuerst über- („In-A-Gadda-Da-Vida“) und später unterschätzten Gruppe mit zwei sprechenden Gitarren und einer weiteren Version der Hippie-Passions-Trias: Schmetterling-Satan-Wahnsinn.

    Die Edgar Broughton Band war zu ihrer Glanzzeit bekannt für besonders lange Haare und Free Concerts, als Vorläufer der sog. People’s Bands wie Pink Fairies ihre verdammte Pflicht.

    Kommen wir zum Schluß zu Broughtons Meisterstück, dem Spätsechziger-Protestsong, der es mit den Rennern des Genres wie „God“ von David Peel & The Lower East Side, „Machine Gun“ von Jimi Hendrix, „Motor City Is Burning“ von MC5 oder „Dachau Blues“ von Captain Beefheart aufnehmen kann: „American Boy Soldier“. Eingeleitet von einem Dialog zwischen einem Army-Vertreter (Edgar mit bösester Manson-Stimme) und einem naiven Kanonenfutter-Boy (derselbe verstellt) über die Armee, gleitet dann in einen gemütlichen Country-Blues und verkündet dabei die ganze Wahrheit über die USA und ihren Krieg in Vietnam, musikalisch nicht zu weit von „Don’t Bogart That Joint“ von Fraternity Of Man, textlich das Härteste, was je dazu geschrieben wurde und was eben Amerikaner einfach nicht schreiben konnten, niemals schreiben werden können: „Oh American army! / I hope the Russians will get you.“ Dafür bekommt Edgar Broughton seinen Platz in der Hall Of Fame.

    Als ich im Mai 1979 meinen ersten Tag in der Sounds-Redaktion verbrachte und alle anderen schon gegangen waren, klingelte plötzlich mein Telephon. In die laufende redaktionelle Arbeit noch nicht im Geringsten eingeweiht, wußte ich nicht, was ich zu dem seltsamen Ansinnen des Mannes an der anderen Seite der Leitung sagen sollte, der mir anbot, jetzt und sofort und sonst nicht ein Interview mit Edgar Broughton zu führen, der gerade in der Stadt sei und seine neue Platte promote (eine uninteressante übrigens). Natürlich konnte ich nicht Nein sagen und wenig später waren der seltsame Promoter und der späte Edgar in der Redaktion. Leider wollte Edgar nur etwas von seiner mir damals gänzlich unbekannten neuen Platte erzählen, war ansonsten ziemlich wortkarg und ich versuchte, mit dem Promoter einen neuen Termin zu verabreden. Daraus wurde dann nichts.

  • Sommerhits und nackte Mädchen

    „Damit kommen Sie exakt 18 ½ Jahre zu spät, junger Mann. Damit können Sie vielleicht in Österreich noch was werden.“

    „Mit euch hätte man Algerien nie und nimmer erobern können“, muß ich in letzter Zeit den jungen Schwachköpfen zurufen, die nie bei der Fremdenlegion gedient haben, nie bei Siemens, AEG oder Borsig waren und daher das Leben noch vor sich haben und nun über die Hitze stöhnen. Nichts ist besser als Hitze. Hitze hat nur einen Nachteil: Sie produziert Katholizismus.

    Angesichts dieses katholischen Kirchentages in München frage ich mich, wo der gute alte Brauch geblieben ist, Popen und Pfaffen an Laternen aufzuknüpfen und ihre Sakristeien zu plündern und niederzubrennen. Na, in York hat es ja geklappt, da ist so ein Tempel niedergebrannt. Da trifft sich eine Weltreligion und hat nichts anderes in ihren Köpfen als den Schutz des ungeborenen Lebens. Wer schützt eigentlich das geborene Leben? Da bleibt wieder die ganze Dreckarbeit an den Kommunisten und der nordelbischen Landeskirche hängen. Kardinal Dörrpflaumes Message an die Jugend: „Wer euch Horror und Porno auf Video verkaufen will, ist kein Christ!“ Wer aber Bigotterie, Doppelmoral und andere Schweinositäten auf der Großbildleinwand sehen will, ist bei den Katholen gut aufgehoben.

    Und hier kommt meine Enzyklika gegen das Kunstfilmtheater „Holi“: Wer Stadtzeitschriften kennt, weiß, daß Termine dort manchmal falsch angegeben sind. Kommt man so fehlinformiert eine viertel Stunde zu spät ins „Holi“, wird man von der Kunstfilmtheaterdirektion nicht mehr hereingelassen, weil man das Publikum stören könnte. In den Film, auf den man sich die ganze Woche gefreut hat. Weil die mit ihrem verschissenen Kleinbürgerkunstfilmverständnis nicht begreifen, daß nicht Zuspätkommer, sondern Dummköpfe im Kino stören. Das Zuspätkommen ist lediglich ein Verstoß gegen eine uralte, wie gesagt völlig verschissene, ja gelb und grün geschissene Vorstellung von Würde, die mittenmang in ein Jahrzehnt gehört, die 50er, das wir doch ausgeschwitzt zu haben glaubten und das wiederzubeleben schon in den frühen 70ern eine Torheit war. Kino hat blöde Würde nicht nötig. Höchstens Drecksfilme von Ingmar Bergman oder anderen verlogenen Kunstscheiß. („Dieser ‚Herr‘ Diederichsen schreibt die Sprache des ‚Stürmers‘. Man sollte diesem ‚Journalisten‘ …“)

    Diesen Sommer waren die Menschen echt geil. Im Jahrhundertsommer waren sie heiß, jetzt sind sie geil. Schuld: Frankie Goes To Hollywood und Bild. Frankie halten eins und zwei in der englischen Hitparade, und egal ob „Two Tribes“ oder „Relax“ – der gesund-mittelschnelle „Es ist ja so verflucht heiß“-Stoßrhythmus dominiert das akustische Bild der Zeit. Früher waren Sommerhits zum Schmusen, dieses Jahr zum Ficken. Dann kamen die heißen Tage, und Bild schreibt so was wie „Hitze! Überall liegen NACKTE MÄDCHEN in den Parks“. Die derart angeheizten Männer suchten und fanden. In Heerscharen fielen und stolperten sie über die überall herumliegenden NACKTEN MÄDCHEN. Tags darauf beschwerten sich die NACKTEN MÄDCHEN in der Bild: „NACKTE MÄDCHEN KLAGEN MÄNNER AN: ‚SCHWEINE‘“. Stenotypistin Kirstin (20) aus Hamburg: „Gestern tat ein junger Mann so, als ob er stolpert. Er fiel direkt auf mich. (…) Dabei hab ich schon einen Freund.“

    Aber auch sonst sind Frankie Goes To Hollywood prima. Die erste Fick-Bubblegum-Band der Welt. Es ist doch klar, daß Holly Johnson auch bei seinen berüchtigten, perversen Exzessen immer ein Wrigley’s Spearmint zwischen den Zähnen hat. Das hält ihn immer bei Laune.

    The Special AKA sind eine politische Band um den Ex-Specials-Kopf Jerry Dammers. Ihre Musik gefällt mir mitunter recht gut. Nur ideologisch/geografisch sind sie falsch beraten: „From the graves of Belsen where the innocents were burned / To the genocide in Beirut, Israel was nothing learned.“ Soweit haben die kühnsten israelischen Expansionisten nicht einmal gedacht, von Beirut, Israel zu sprechen. Oder sollte es sich um eine Aufzählung handeln, für die aus metrischen Gründen auf das dritte Glied verzichtet wurde? Oder auf das „Und“? Selbst wenn: Es hat im Staate Israel nie einen Völkermord gegeben. Oder „Free Nelson Mandela / I’m begging you / I’m begging you“. Na, hör mal: Um so etwas bittet man nicht. Man bittet Rassistenregimes überhaupt nichts. So etwas fordert man, oder man nimmt es in die Hand. Aber man bittet nicht für Nelson Mandela. Der würde sich bedanken.

    Letzte, aktuelle Urlaubs-Informationen zum Schluß: Haßliste, Länder und Völker: 1. Österreich, 2. Frankreich, 3. Italien. Lieblingsländer, -völker: 1. England, 2. USA, 3. UdSSR. Und aus dem „Kann man jetzt wieder gut finden“-Department: 1. Elvis Costello, 2. Jesse Jackson, 3. Trevor Horn.